Pushpak Ramayana Buch 4Zurück WeiterNews

Canto 42 - Die Armee des Westens

Dann beugte sich Sugriva zu Sushen und sprach ehrfürchtig zu ihm: "Zweihunderttausend unserer Besten sollen mit dir, mein Herr, den Westen absuchen. Erkundet Surashtras (das "gute Land") ferne Ebenen, Vahlikas wildes Land und alle angenehmen Bäche, die durch die Berge zur westlichen See fließen. Sucht die sich an den Bergeshöhen zusammenballenden Wälder ab und den Dschungel, das Heim der Anhänger. Durchsucht die windigen Berge und die Wüstenregionen. Durchstreift das ganze westliche Land, welches mit seinen bewaldeten Bergen wie mit einem Netz überzogen ist. Geht bis ans fernste Ende des Landes und steht dann am Strand des Ozeans. Wandert dort durch die Palmenhaine, wo die sanfte Luft wie Balsam ist. Sucht in grasbewachsenen Senken und dunklen Schluchten nach Ravana und der Maithili Königin. Besucht den steilen Somagiri, wo sich der Sindhu (Indus) mit der Meerestiefe vermischt. Dort wandern Löwen, die auf schnellen Schwingen geboren wurden, auf den Höhen ihrer bergigen Heimat und tragen am Meer gefangene Elefanten und Monsterbären zu ihrem Versteck. Ihr Vanars, die ihr eure Gestalt mit eurem Willen ändern könnt, sollt den Berg in schneller Suche durchkämmen und den himmelküssenden Gipfel aus Gold, wo die lieblichsten Bäume ihre Blüten entfalten. Vom Licht umstrahlt erhebt sich dort die goldene Spitze des Pariyatra, wo wilde Gandharvas, furchtbar und schrecklich, in Gruppen von zahllosen Myriaden wohnen. Pflückt keine Früchte in diesem Wald und achtet auf die respektlose Nachbarschaft, denn sie bewachen die Früchte und sind sehr stark, mächtig und schwer zu besiegen. Doch sucht weiter nach Janaks Tochter, denn Vanars müssen nichts Übles von ihnen befürchten. Nahebei steht ein diamantbesetzter Berg, strahlend wie Türkis und mit Namen Vajra(1). Er steigt dreihundert Meilen stolz in die Höhe und ist mit Bäumen und Buschwerk geziert. Sucht dort in allen Höhlen und dunklen Schluchten, an den Wasserfällen und Abgründen. Fern im Ozean schlagen die wilden Wellen an Chakravans (= der Diskusträger) festverwurzelten Fuß. Dort entstand der große Diskus des Tausendstrahligen(2) aus den Künsten Visvakarmas (der indische Hephaistos oder Vulkan). Nachdem der Unhold Panchajan(3) und der vergebens schreckliche Hayagriva(4) erschlagen waren, ging Lord Vishnu, der überragende Gott, fort von dort und nahm Muschelhorn und Diskus mit sich.

Sechzigtausend goldene Berge sollt ihr mit verwunderten Augen betrachten, wie ein jeder von ihnen in seinem Glanze so leuchtend wie die Morgensonne erstrahlt. Gänzlich in der Mitte erhebt König Meru(5), der Beste der Berge, seinen hohen Scheitel, auf dem einst, wie alle es gehört haben, die Sonne ihren wohlgemeinten Segen aussprach: "Auf dich, oh König, auf dich und die deinen soll Tag und Nacht immer Licht scheinen. Und die Gandharvas, Götter und alle, die dich lieben und auf deinem geheiligten Gipfel wohnen, sollen unverdunkelt, hell und schön den goldenen Schein auf ewig mit dir teilen." Die Vishvas, Vasus, die auf dem Sturm reiten (Maruts) und auch jeder Gott zieht sich zum hohen Gipfel Merus zurück, wenn sich im Westen der Abend verdunkelt, und ehrt den scheidenden Gott des Tages mit einem Opfer, eine Weile bevor die Sonne, für alle unsichtbar, hinter dem Gipfel des Berges Asta verschwindet. Vom himmlischen Künstler geschaffen erstrahlt dort ein herrlicher Palast, an dem die süßen Vögel singen und bunte Bäume blühen. Es ist das Heim von Varuna(6), dem erhabenen Herrn, um dessen Handgelenk sich die tödliche Kordel schlingt(7). Zwischen Meru und Asta sieht man eine Palme mit zehn hohen Stämmen. Von ihrer Wurzel fließt reines Silber, und ihr Glanz erstreckt sich weithin. Sucht Ravana und die Dame am Bach, in pfadloser Klamm und in belaubten Winkeln. Am Bergesrücken von Meru lebt ein Einsiedler, der hell strahlt von dem Licht, welches getane Buße verleiht. Savarni wird er geheißen, der berühmte Ebenbürtige von Brahma und mit Ruhm gekrönt. Verneigt euch dort, sprecht ehrfürchtig und fragt ihn nach der Dame, die ihr sucht.

So weit verfolgt der glänzende Herr des Tages seine unermüdliche Bahn durch den Himmel, verbreitet sein Licht an jedem Ort und versinkt hinter der Höhe des Berges Asta. Geht bis dahin. Das sonnenlose Meer dahinter ist mir gänzlich unbekannt. Sushen mit dem langen Arm, seit langem geübt in Gefahr, soll eure Legionen anführen. Empfangt sein Wort mit hohem Respekt, und verweigert ihm nicht den geringsten Wunsch. Er ist der Vater meiner Gemahlin und verdient daher die höchste Verehrung."


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(1) heißt sowohl Diamant als auch Donner, die beiden wurden als identisch angesehen
(2) Der Diskus ist die Lieblingswaffe von Vishnu.
(3) ein Dämon in Form einer Muschelschale, der in der See lebte
(4) der Pferdeköpfige; Als das Universum in Auflösung begriffen war, weil Brahma schlief, stahl er die Veden und trug sie davon. Vishnu tötet ihn und rette die heiligen Schätze aus dem Meer.
(5) Meru steht im Zentrum von Jambudvipa und damit auch der Erde.
(6) ursprünglich eine sehr alte und mächtige vedische Gottheit, später der Gott des Meeres
(7) eine geknotete Schlinge, mit der er Sünder fängt und bestraft