Pushpak Ramayana Buch 2Zurück WeiterNews

Canto 12 - Dasarathas Klage

Als Kaikeyi dem Monarchen ihren gräßlichen Wunsch aufgenötigt hatte, stand er für eine Weile ganz in Gedanken versunken da und Pein brannte in seinem Busen. "Bestürmt ein wilder Traum mein Herz? Oder verlassen mich meine geplagten Sinne? Stört ein böses Zeichen meine Sicht? Oder zertrümmert der Schlag des Wahnsinns meine Seele?" Mit solchen Gedanken konnte sein verwirrter Geist voller Zweifel und Furcht keine Ruhe finden. Notleidend stand der König und zitternd wie ein Hirsch, der die furchtbare Tigerin sich nahen sieht. Nun war es an ihm, seine Glieder auf den blanken Boden zu werfen und lange Seufzer auszustoßen, wie eine wilde, vor Angst blinde Schlange, die durch Zauber in einem Kreis gebannt ward. Als dann der Zorn in ihm erwachte, brach ein "Schande über dich!" aus seinem Herzen, und unter sinnverwirrenden Schmerzen fiel er in Ohnmacht.

Nach einer Weile, als er sich langsam ein wenig erholt hatte, antwortete er mit in wildem Zorn brennenden Augen, welche die Dame wie mit Feuer zu verschlingen drohten: "Falle, du Verräterin, die du mit deinen ersonnenen Ideen den Ruin meines Geschlechts aussprichst. Was haben dir Rama oder ich Schlechtes getan? Sprich, du Mörderin, sprich du Niederträchtige. Suchte er nicht ständig danach, dich mit aller Liebenswürdigkeit eines Sohnes zufriedenzustellen? Durch welche Verschwörung wirst du dazu verleitet, Zerstörung über sein Haupt zu bringen? Weh mir, daß ich dich unbedacht und in Liebe zugetan mit in mein Heim nahm, damit du mein Leben mit mir teiltest. Eine Königstochter wirst du genannt, in Wahrheit bist du eine Schlange mit Giftzähnen! Welchen Fehler kann ich vorgeben, in Rama zu finden, der von der ganzen Menschheit gelobt wird? Wie kann ich meinen Liebling aufgeben? Nein, nimm mein Leben und meinen Ruhm, entlaß jede Königin von meiner Seite, doch nicht meinen liebsten, ältesten Sohn. Ihn zu sehen ist höchstes Glück, und sein Gesicht zu vermissen bedeutet Tod. Mag die Welt ohne Sonne bestehen und das Korn ohne freundlichen Regen gedeihen, doch wenn mein Rama nicht bei mir ist, wird sich mein Geist aus meinem Körper lösen.

Genug, verzichte auf deinen gottlosen Plan, oh du, die du Sünde und Leid im Sinn hast. Mit meinem Haupt vor deinen Füßen knie ich vor dir, und bete um etwas Mitgefühl von dir, oh gemeine Dame. Was kann nur dein Herz zu solch einem gräßlichen Plan verleitet haben? Vielleicht ist es nur deine Absicht herauszufinden, welche Gunst dein Sohn bei mir gefunden hat? Oder vielleicht waren auch all die Lobesworte, die du diese Tage für Rama gefunden hast, nur vorgetäuscht und dazu bestimmt, mit Schmeicheleien eines Vaters Ohr zu gefallen? Sobald ich von deiner Qual wußte, oh Königin, fühlte meine Brust denselben Schmerz. Bist du in dieser leeren Halle erfüllt von dem Befehl eines anderen und sein Untertan? Nun fällt auf das altehrwürdige Geschlecht der Ikshvakus Chaos und Schande, wenn du, oh Königin, deren Herz so lange das Gute geliebt hat, jetzt das Falsche wählst. Nicht ein einziges Mal bis jetzt, oh großäugige Dame, hast du dich eines Vergehens schuldig gemacht oder ein Wort gesprochen, welches mich traurig gemacht hätte. Darum will ich deine Sünde nun nicht glauben. Bei dir hat mein Rama den gleichen Rang eingenommen wie dein hochbeseelter Bharata, wie du so oft und gern erklärt hast, als die beiden noch Kinder waren. Und kann deine rechtschaffene Seele es ertragen, wenn der glorreiche, fromme und reine Rama für vierzehn Jahre Verbannung in die ferne Wildnis gesandt würde? Ja, Rama übertrifft sogar Bharata in Liebe und Sohnespflichten dir gegenüber, und genauso wie Bharata deine Liebe verdient, so sollte ihm geschehen. Wer mag besser als dieser Große dir Gehorsam, Liebe und Ehre zollen, deine hohe Stellung mit Sorgfalt beschützen und dein geringstes Wort und jeden Wunsch respektieren? Von all seinen zahllosen Anhängern kann keiner nur ein Wort gegen meinen Sohn hauchen, von vielen tausend nicht eine Dame nur einen Vorwurf andeuten oder von Schande wispern. Alle Wesen fühlen die liebliche Führung von Ramas reiner und sanfter Seele. Dieser Stolz von Manus Geschlecht bindet den dankbaren Geist der Menschen an sich. Er gewinnt seine Untertanen mit Wahrhaftigkeit, die Armen mit Geschenken und sanftem Mitgefühl, seine Lehrer mit fügsamem Willen und den Feind mit seinen Fähigkeiten beim Bogenschießen. Wahrheit, Reinheit, religiöser Eifer, eine Hand, die gibt, ein Herz, das fühlt, eine Liebe, die niemals den Freund betrügt, unbeugsame Redlichkeit, Wissen und bescheidener Gehorsams zieren ihn und machen meinen Rama zum Stolz des Raghu- Geschlechts. Wie kannst du deine gottlosen Ränke gegen ihn spinnen, in dem Tugend scheint, dessen Herrlichkeit sich mit den Weisen mißt und der ein Ebenbürtiger der Götter ist, die den Himmel regieren? Keine Kreatur hat von ihm je ein barsches oder bitterlich schmerzendes Wort vernommen. Und wie kann ich da meinen Sohn wegen dir mit bitteren Worten ansprechen? Gnade, Königin, zeige Mitleid, wenn du nun meine qualvollen Tränen erblickst, und höre den klagenden Schrei eines armen alten Mannes, der bald sterben muß.

Was immer dieses vom Meer umgürtete Land von Ufer zu Ufer an Seltenem und Reichem zu bieten hat, ich gebe dir alles, meine Königin. Doch nimm deine tödlichen Worte zurück. Sieh auf meine dringend bittenden, demütig gefalteten Hände, und wieder berühren meine Lippen deine Füße: Rette Rama, rette mein liebstes Kind, und töte mich nicht mit solch befleckender Sünde." Er kroch am Boden und war ein besinnungsloses Opfer in seinem brennenden Schmerz. Immer wieder überwältigten ihn Wellen des Kummers, und er weinte und klagte, und kämpfte eifrig darum, aus dem See seiner Qual emporzutauchen.

Mit schärferen Worten begegnete sie nun noch grimmiger der flehenden Bitte des glücklosen Vaters: "Nun Monarch, wenn deine Seele dein Versprechen und deine freiwillige Zustimmung bereut, wie willst du in der Welt deinen Ruhm aus Wahrhaftigkeit unbeschmutzt aufrechterhalten? Wenn die Versammlung der Könige sich mit dir unterhält und dich bittet, die ganze Geschichte zu erzählen, was willst du ihnen dann sagen, oh wahrheitsliebender König? 'Sie, deren Liebe ich mein Leben verdanke, die mich rettete, als mich der Feind geschlagen hatte, Kaikeyi, sie wurde für ihre zärtliche Fürsorge um meinen Schwur betrogen.' Wenn du dies antwortest, wird dich die Verachtung der Fürsten treffen, das schwöre ich dir. Lerne aus der Geschichte vom Falken und der Taube, wie stark Saivyas Liebe zur Wahrheit war. Durch sein Wort gebunden gab der Monarch sein eigen Fleisch, um den bittenden Vogel zu retten. Auch König Alarka gab seine Augen hin und gewann sich seine Wohnstatt im Himmel. Selbst das Meer hält sein Versprechen und rauscht niemals jenseits seiner Grenzen.

Erinnere dich nochmals meiner Taten von einst und laß deinen Bund nicht in Unehre fallen. Wenn du deinen Rama auf den Thron setzt, nachsichtiger König, und deine Tage in Zufriedenheit mit Kausalya an deiner Seite vorübergleiten läßt, vergißt du die Regeln der Wahrheit. Nun nenne es, wie du willst: Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit, Tugend oder Schuld. Dein Wort und dein Schwur bleiben bestehen. Und du mußt meiner Forderung nachgeben. Wenn Rama gesalbt wird, werde ich am selben Tage sterben. Vor deinem Angesicht werde ich Gift trinken und leblos zu deinen Füßen niedersinken. Ja, es ist weit besser zu sterben, als am Leben zu bleiben und nur einen Tag mit ansehen zu müssen, wie die Menge vor Kausalya mit gefalteten Händen steht und sie als Königin hochleben läßt. Ich schwöre bei meinem Sohn und mir selbst, daß kein Geschenk und kein Versprechen meine unverwandte Seele davon abbringen wird, außer Ramas Verbannung."

Der Zorn trieb sie zu diesen Worten, und dann verharrte die Königin in tiefem Schweigen. Er hörte ihre Rede voller Übel, doch sprach vor Verwirrung kein Wort und starrte seine einst so teure Liebe nur an, die sich so unlieblicher Rede verschworen hatte. Dann, als er allmählich ihren Beschluß und Schwur überdachte, seufzte er nochmals 'Oh Rama' und fiel mit dem Gesicht nach unten wie ein gefällter Baum. Seine Sinne verließen ihn wie bei einem Wahnsinnigen, ohnmächtig wie ein kranker Mann, schwach vor Pein und gekrümmt wie eine verwundete Schlange, so lag der König, dem die Welt gehorchte. Langsam entrangen sich ihm lange und brennende Seufzer, als er von Schmerzen besiegt sich grämte, und mit Tränen und Schluchzern unterbrochen sprach er matte und traurige Worte zur Königin:

"Wer hat dich, Kaikeyi, diese mit Zerstörung getränkten, schmeichlerischen Hoffnungen gelehrt? Haben Kobolde deine Seele ergriffen, oh Dame, da du so sprechen kannst und keine Schande fühlst? Dein Geist ist krank von Sünde, was nie zuvor geschah. Du warst ein gutes und liebendes Weib, doch weh, das hat sich nun geändert. Welch Grausen hat nur deine Brust eingenommen, daß du einen solch entsetzlichen Wunsch äußern kannst: Bharata soll über das Land regieren und Rama in den Wäldern leben? Oh, kehre dich ab von deinem teuflischen Pfad und auch von deinem treulosen Ratschlag, wenn du dem Volk, deinem Herrn und auch Bharata einen Gefallen tun willst. Oh gemeine Verräterin, grausam und scheußlich, du liebst Taten der Sünde und der Tücke. Welches Verbrechen, welchen Mißstand und welchen Fehler siehst du nur in Rama oder mir? Dein Sohn wird den Thron niemals akzeptieren, solange Rama von seinen Rechten ferngehalten wird. Denn Bharatas Herz ist noch viel mehr der Gerechtigkeit ergeben als das Herz Ramas. Wie könnte ich zu ihm sagen: 'Geh fort!', und dabei wagen, in meines Ramas Gesicht zu schauen, seine bleichen Wangen und aschgrauen Lippen anzusehen, die erblassen werden wie der Mond auf trauriger Bahn? Wie kann der so gut vorbereitete Plan, bei dem vernünftige Freunde meine Ansicht teilten, nur ruiniert werden, wie eine Armee, die unter der mörderischen Attacke eines Feindes zusammenbricht? Was werden diese versammelten Fürsten von fern und nah sagen? 'Allzulang dauerte die Regentschaft des Monarchen, denn jetzt ist er wieder ein Kind.' Wenn so viele gute, für ihr Alter geehrte und heilige Weise nach Rama fragen, was soll ich Unglücklicher ihnen antworten? 'Durch Königin Kaikeyi lang geplagt trieb ich ihn fort und enteignete ihn.' Auch wenn ich damit die Wahrheit spreche, werden sie mich alle für falsch und schwach halten. Was wird Kausalya sagen, wenn sie ihren von mir verbannten Sohn einfordert? Nun, welche Antwort soll ich ihr geben und wie die verletzte Dame beruhigen? Sie kümmert sich um mich wie eine Sklavin. Mit der Fürsorge einer Schwester vereinigt sie in sich die Liebe einer Mutter, Ehefrau und Freundin. Doch trotz ihrer zärtlichen Sorge, ihres edlen Sohnes und ihres wunderschönen Gesichts zog ich ihr eine andere Königin vor und vernachlässigte sie um deinetwillen. Und nun, oh Königin, schmerzt mich mein Herz um der Liebe und Sorge willen, die ich von dir erhielt, ganz wie der arme, kranke Teufel das leckere Mahl und dessen Würze bereut. Wie soll Königin Sumitra ihrem ungerechten Ehemann je wieder vertrauen, wenn sie sieht, wie Rama in Unehren davongejagt wird, ohne je ein Verbrechen begangen zu haben? Und weh, Sita wird doppelt Leid erfahren und zweifache Furcht, zwei überwältigende Schmerzen in einem Atemzug: ihr Gatte in Schande und sein Vater tot. Denn meinen alten Leib wird sie bedrücken und mich mit ihrem Kummer töten, so traurig wie eine schöne Nymphe, die in den steilen Bergen des Himalaya weinend zurückgelassen ward. Ja, kurz werden meine Tage sein, wenn ich mit klagenden Augen ansehen muß, wie mein Rama allein fortzieht, und ich die liebe Sita schluchzen und stöhnen höre. Weh mir, ich verwünsche mein nachsichtiges Vertrauen in dich, gemeine Verräterin, die ich so zärtlich und treu liebte. Ich bin wie einer, der durstig und von Schönheit betrogen, ein tödliches Gebräu schluckte. Oh du hast mich umgebracht, Mörderin, während du meine Seele mit arglistigen Worten besänftigt hast, wie der wilde Jäger den Hirsch mit einem Ruf aus dem Dickicht lockt und tötet. Bald schon wird jede aufrechte Zunge Vorwürfe auf den unehrlichen König werfen. In jeder Straße wird den Verkäufer seines Sohnes die Verachtung des Volkes treffen, und mich überwältigt dieselbe Schande wie einen vom Wein betrunkenen Brahmanen. Weh mir, für mein unglückliches Schicksal, denn ich bin gezwungen, deine Worte zu beachten!

Solches Leid wird nur gesandt, um ein Verbrechen zu geißeln, welches vor langer Zeit begangen wurde. Unwissentlich habe ich dich für viele Tage in sündiger Fürsorge wohl behandelt und die bösen Fallstricke selbst gehalten, die den glücklosen Mann wie mit einer Schnur binden sollten. Ich habe Stunden der Freude mit dir verbracht und hielt dabei meine Liebe nicht für meinen Tod. Während ich wie ein unachtsames Kind spielte, legte ich meine Hand an eine schwarze Schlange. Ein Schrei wird aus jedem Mund hervorbrechen, und die ganze Welt wird mich für verflucht halten, denn ich sah meinen hochbeseelten Sohn ohne Königstitel, ohne Vater und ohne Erfüllung: 'Der König ist, von der Macht der Liebe betrogen, schwächer als ein närrisches Kind, denn er schickt einer Frau zuliebe seinen Sohn ins Exil. Dabei war er durch keusche und heilige Gelübde gezügelt und von ehrbaren Lehrern unterrichtet worden. Wenn er nun die Früchte seiner Tugend kosten sollte, fällt er durch Sünde und Leid geschändet.'

Nur zwei Worte wird er mir antworten, wenn ich den strengen Befehl erteile: 'Hinfort, Rama, in die Wälder.' Alles, was er sagen wird, ist: 'Ich gehorche.' Oh, würde er sich nur meinem Willen und der Verbannung von Heim und Reich widersetzen! Dies wäre ein Trost in meinem Kummer, aber das wird der Held niemals tun, das weiß ich. Wenn mein Rama zum Walde fortgezogen ist und sich schwere Flüche auf mein Haupt niedergelassen haben, wird der grimmige Tod mich forttragen als seine weltverabscheuende Beute. Wenn ich und auch Rama dann fort gegangen sind, wie wirst du die, die ich liebe, verfolgen? Welch rachelüsterne Sünde wird dann gegen die Königinnen gesponnen, die ich zurücklasse? Wenn du ihren Sohn und mich getötet hast, wird Kausalya bald folgen. Sie wird unter der Last ihrer Schmerzen niedersinken und wie ich, ungetröstet sterben. Dann lebe weiter in deinem Stolz, Kaikeyi, wenn du meine Königinnen und mich und die Kinder in die unteren Welten geschleudert hast. Dann wirst du bald als Kaiserin über mein bis dato ungequältes Haus herrschen, und es in große Verwirrung stürzen ohne Rama und mich. Falls Bharata deinem Plan zustimmt und Rama in der Verbannung sehen will, dann möge sich seine Hand niemals erdreisten, die Begräbnisehren für mich darzubringen. Niederträchtiger Feind, du bist der Grund für all mein Weh, du wirst letztendlich deinen verfluchten Willen bekommen. Als Witwe sollst du dich mit deinem Jungen an den Vorzügen des Reiches laben. Ach Prinzessin, sicher hat dich ein böses Schicksal hierher gebracht, um alles zu verwüsten. Verschleiert als Gemahlin in schöner Verkleidung kommt die Zerstörung in der Nacht. Die Verachtung der Menschen und tiefste Scham wird meinen verhaßten Namen lange begleiten, und grausame Schande wird mich drücken, der ich durch dich verführt werde zur Falschheit.

Wie soll mein Rama, den bis jetzt nur Elefanten oder Streitwagen trugen, mit seinen Füßen durch die Wildnis laufen als Wanderer im weiten Dickicht? Wie soll mein Sohn, für den die geschicktesten Köche mit Ohrringen geziert und wetteifernder Sorge die köstlichsten Mahlzeiten für seinen Geschmack bereiteten, wie soll er nun sein Leben fristen mit sauren Früchten und Samen aus dem Wald? Er verbrachte sein Leben ohne jede Sorge und trug Kleidung der kostbarsten Art. Wie soll er, mit nur einem Umhang angetan, seine Glieder auf dem Boden ausruhn? Von wem kommt diese Verschwörung, dieser grausame Gedanke, unerhört und von Verderben übervoll, deinen Sohn zum König von Ayodhya zu machen und meinen Rama auf Wanderschaft zu schicken? Schande, Schande über die Frauen! Niederträchtig und untreu verfolgen sie ihr selbstsüchtiges Ziel. Nicht alle Frauen meine ich, aber vor allem diese hinterhältige Königin. Oh du wertlose, grausame und selbstsüchtige Dame, ich selbst brachte dich Plage und Qual in mein Heim. Welchen Fehler mußt du mir oder meinem Sohn vorwerfen, der dich so liebt? Liebevolle Ehefrauen mögen ihre Ehemänner verlassen und Väter ihre Söhne verstoßen, aber die ganze Welt wird rasen, wenn sie sieht, wie Rama tödlich verwundet wird. Ich freue mich, seine Schritte zu hören, seine göttergleiche Gestalt zu sehen und wenn sich mein Rama mir naht, dann fühle ich meine Jugend zurückkehren. Vielleicht gibt es Leben ohne die Sonne oder den von Indra gesandten Regen, aber wenn Rama verbannt würde, dann kann niemand lebendig bleiben, so denke ich. Als Feind, der mein Leben nehmen will, brachte ich dich hierher, denn du willst meinen Tod. Ich liebkoste dich lang, dich giftige Schlange, und werde durch meine Narrheit sterben. Weh mir! Töte mich und Rama und Lakshmana und regiere mit Bharat den Staat. Bring das Königreich zum Zerfallen und schmeichle dich bei denen ein, die deinen Herrn hassen. Warum fallen dir nicht nach solch einer Rede alle Zähne aus deinem hinterhältigen Kopf, der in tausend Stücke zerbersten sollte? Die Worte meines Rama sind immer freundlich, er weiß nicht, wie man im Zorn spricht. Wie kannst du nur in ihm, den alle verehren, eine Schuld finden? Ergib dich der Verzweiflung, werde verrückt oder stirb und versinke in die zerrissene Erde. Deine niederträchtige Bitte werde ich ablehnen, du Schänderin deiner königlichen Geburt. Ich kann es kaum ertragen, dich länger leben zu sehen, du Zerstörerin meines Heims und meiner Familie, die du scharf wie ein Rasiermesser und falsch und gemein mein Herz und mein Liebstes zerreißt. Mein Leben ist dahin, warum noch von Glück reden? Denn was könnte noch süß sein ohne meinen Sohn? Verschone ihn, Dame, du kannst ihn nicht zerstören. Ich bitte dich, während ich deine Füße berühre."

Er fiel und weinte in wilder Klage, das Herz zerrissen von ihrer anmaßenden Rede, und konnte nicht einmal, die grausamen Füße erreichen, die er berühren wollte, so schwach und matt war er.


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