Pushpak Ramayana Buch 7Zurück WeiterNews

Canto 35 - Der Fluch, den einst der Weise Gautama über Indra verhängt hatte

"Als solcherart der höchst mächtige Indra von Ravanas Sohn besiegt worden war, begaben sich alle Himmlischen angeführt vom Patriarchen Brahma nach Lanka. Bei Ravana und seinen Söhnen angekommen schwebte der Patriarch im Himmel und sprach ruhig: "Mein Sohn, Ravana, ich bin mit dir, dem Kampf und deinem Sohn zufrieden. Welch wunderbaren Mut und welch große Stärke hat er gezeigt. Sie ist der deinen gleich oder sogar größer. Durch deinen eigenen Heldenmut hast du die drei Welten erobert. Dein Versprechen hat Früchte getragen. Ich bin mit euch beiden zufrieden, Vater und Sohn. Oh Ravana, dein Sohn ist höchst mächtig und mit großer Stärke gesegnet. Er soll in der Welt unter dem Namen Indrajit gefeiert werden, Sieger über Indra. Und alle Rakshasas sollen kraftvoll und unerschrocken sein, mit deren Hilfe du die Götter unter deine Macht gebracht hast, oh König. Doch nun laß Indra wieder gehen, oh du mit den langen Armen. Gib die Geißel Pakas frei, und was begehrst du von den Himmlischen dafür?" Der mächtige Indrajit, Bezwinger seiner Feinde, antwortete: "Da du es aussprichst, oh Gott, bitte ich um Unsterblichkeit." Doch die Antwort des höchst mächtigen Patriarchen an Indrajit war: "Es gibt keine vollkommene Unsterblichkeit auf Erden unter den Geschöpfen wie Vögeln, Vierfüßlern und anderen mächtigen Wesen." Als er die vom Großen Vater ausgesprochenen Worte gehört hatte, sprach Indrajit zum Ewigen Herrn: "Höre, was ich dann als Austausch für die Freilassung von Indra möchte. Möge sich ein Streitwagen mit Pferden aus dem Feuer erheben, wenn ich ihm opfere und mir wünsche, über die Feinde im Kampf siegreich zu sein. Und möge ich unsterblich sein, solange ich in diesem Wagen verweile. Das ist die Gabe, um die ich entschlossen bitte. Möge ich Zerstörung erfahren, wenn ich kämpfe, ohne das Feueropfer beendet zu haben. Alle anderen erhalten Unsterblichkeit durch innige Buße, doch ich werde sie erhalten kraft meines eigenen Heldenmutes." Darauf erwiderte der Große Vater: "So sei es." Und Indrajit entließ den Gott, und die Himmlischen kehrten in ihre Bereiche zurück.

Doch Indra war in der Zwischenzeit schwach, glanzlos, ängstlich und trübsinnig geworden, oh Rama. Ihn in seinem Elend betrachtend sagte der Große Vater der Götter zu ihm: "Oh du Ausüber der hundert Opfer, warum begingest du einst diese große Schandtat? Oh Anführer der Unsterblichen, oh Herr, einst schuf ich Wesen aufgrund von Erkenntnis. Sie hatten alle dieselbe Farbe, Sprache und Gestalt. Es war kein Unterschied in ihrer Form oder ihren Merkmalen zu sehen. Da begann ich, mit großer Achtsamkeit über diese erschaffenen Wesen nachzudenken. Dann schuf ich ein weibliches Wesen, was sich von ihnen unterschied. Ich wählte alle Glieder, die unter den Geschaffenen am besten waren, und es entstand eine Frau mit Namen Ahalya. Hal heißt Häßlichkeit; ein von Hal Geborener heißt Halya. Und diese Frau nannte ich Ahalya (nicht von Häßlichkeit), denn sie hatte nichts Tadelnswertes an sich. Darum gab ich ihr diesen Namen. Nachdem ich sie erschaffen hatte, oh König der Götter, dachte ich darüber nach, wem ich sie übergeben sollte. Auf deine Göttlichkeit stolz, oh Herr, oh Shakra, oh Purandara, betrachtetest du sie im Geiste schon als deine Gemahlin. Doch ich übergab sie der Fürsorge des hochbeseelten Gautama, welcher sie nach vielen langen Jahren wieder zurückbrachte. Da erkannte ich die Geduld und vervollkommnete Askese des Gautama und gab sie ihm zur Frau. Dieser tugendhafte und große Asket erfreute sich ihrer Gesellschaft, doch alle Götter waren enttäuscht, daß ich sie Gautama gegeben hatte. Von Lust und Erregung beherrscht, gingst du in die Einsiedelei des Asketen und betrachtetest die wie eine Flamme Strahlende. Vor Begiere und Ärger toll erfülltest du dein Begehren mit ihr und wurdest vom großen Asketen entdeckt. Er verwünschte dich. Zornig und mit großem Leuchten gesegnet sprach er: Oh Herr der Himmlischen, du hast eine Veränderung der Umstände herbeigeführt, denn du hast ohne Bedenken meine Gemahlin verführt, oh Vasava (Indra). Daher sollst du im Kampf mit deinen Feinden in ihre Gewalt kommen. Dieses niedere Begehren von dir gemein Denkendem, welches du als Erster schufst, wird sich ohne Zweifel in der Welt der Sterblichen verbreiten. Wer immer dieses Verbrechen begeht, soll dafür nur halb verantwortlich sein, denn die andere Hälfte der Schuld soll auf dich niederkommen. Daher wird dein Rang nicht beständig sein. Ja, wer immer der Herr der Himmlischen ist, sein Rang soll nie sicher sein. Dies ist der Fluch, den ich gebe, und den ich dir gegenüber ausgesprochen habe.

Auch bei seiner Gattin beschwerte sich der mit der innigen Buße und sprach zu ihr: Oh du Bösartige, laß deine Schönheit nicht länger die Umgebung der Einsiedelei verderben. Zwar bist du mit Schönheit und Jugend gesegnet, doch dein Geist ist launisch. Daher sollst du nicht mehr die einzige schöne Dame in der Welt sein. Alle geschaffenen Wesen sollen an deiner Schönheit teilhaben, denn deine unvergleichliche Schönheit hat dieses Unheil angerichtet.

Seither sind alle geschaffenen Wesen mit Schönheit gesegnet. Doch sie besänftigte den Asketen Gautama, indem sie sprach: Oh Zweifachgeborener, ich wurde unwissentlich von Indra verführt, denn er nahm deine Gestalt an. Ich habe dies nicht willentlich getan, oh Asket, sei besänftigt und mir gut.

Als Ahalya dies gesagt hatte, sprach der Asket: Im Geschlecht der Ikshvakus soll ein höchst strahlender und mächtiger Wagenkrieger geboren werden. Er wird der Welt als Rama bekannt sein. Um die Riten eines Brahmanen auszuführen, wird der mächtige Vishnu in menschlicher Gestalt in diesen Wald kommen. Wenn du ihn erblickst, oh schöne Dame, sollst du gereinigt sein. Er wird fähig sein, dich von deiner begangenen Schandtat zu reinigen. Wenn du ihn wie einen Gast behandelt hast, sollst du wieder zu mir kommen und mit mir leben, oh du mit dem schönen Gesicht.

Dann kehrte der Asket zu seiner Einsiedelei zurück. Seither singt seine Frau die Lieder des Brahma und übt sich in schwerer Buße. Also, du mit den langen Armen, denke an deine vergangene Übeltat. Nur wegen dieses Fluches konnte dich dein Feind heute unter seine Kontrolle bringen. Nun bezwinge deine Sinne und führe bald ein Opfer zu Ehren Vishnus durch. Durch dieses Opfer gereinigt sollst du dann in den Himmel zurückkehren. Auch ist dein Sohn, oh Herr, nicht getötet worden im Kampf. Sein Großvater brachte ihn ins Meer." Indra tat, wie ihm geheißen. Er zelebrierte ein Opfer zu Ehren Vishnus, ging in die himmlischen Bereiche zurück und regierte wieder als König. So habe ich dir alles über die Stärke Indrajits erzählt. Was soll man noch mehr sagen, als: Er besiegte sogar Indra, den König der Himmlischen."

Rama, Lakshmana, die Vanars, Rakshasas und alle, die den Worten Agastyas gelauscht hatten, sagten: "Wie wunderbar ist dies." Selbst Vibhishana, der an der Seite Ramas stand, sprach: "Nach langer Zeit kamen mir all die alten Erinnerungen wieder ins Gedächtnis zurück." Rama sprach zu Agastya: "Alles, was du gesagt hast, ist wahr." Und Agastya schloß mit den Worten: "Nun Rama, Ravana, diese Geißel der Völker, wuchs dadurch an Macht, als er mit seinem Sohn den Herrn der Himmlischen, Indra, besiegte."


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