Pushpak Ramayana Buch 7Zurück WeiterNews

Canto 21 - Ravana begibt sich in die Unteren Regionen, um Yama zum Kampf zu fordern

"Nachdem er solcherart nachgesonnen hatte, wandte dieser mit flinker Energie begabte Beste der Vipras seine Schritte ins Reich von Yama, um ihm alles mitzuteilen, was geschehen war. Dort angekommen erblickte er den Gott Yama, der vor einem Feuer saß und die guten und bösen Früchte ihrer (der Menschen) Taten aussetzte. Als er den Maharshi Narada ankommen sah, bot ihm Yama das übliche Arghya an und sprach zu ihm, nachdem er sich bequem hingesetzt hatte: "Oh Devarshi, ist alles wohl mit dir? Vermindert sich die Tugend? Warum, oh du von den Göttern und Gandharvas Verehrter, kommst du hierher?" Darauf sprach der verehrte Narada: "Höre. Ich werde es dir erzählen, und nachdem du es vernommen hast, tue, was du für nötig hältst. Oh König der Pitris, der Wanderer der Nacht, der Zehnköpfige kommt hierher und will dich unter seine Herrschaft bringen. Dich will er zwingen, der du nicht besiegt werden kannst. Oh Meister, darum kam ich eilends zu dir, denn ich zweifle daran, was mit dir geschehen wird, wo du den Stab (zur Bestrafung) als deine Waffe trägst." Mittlerweile erblickten sie den sich von Ferne nähernden Wagen des Rakshasa so leuchtend wie der aufsteigende Strahlenumkränzte. Der Glanz von Pushpaka vertrieb die Düsternis der Region. Im Näherkommen sah der Zehnköpfige mit den mächtigen Armen all die Wesen um sich her, welche die Konsequenzen ihrer gerechten und ungerechten Taten ernteten. Er erblickte Yamas Soldaten mit seinem Gefolge, allesamt mit schrecklichen Gesichtern, grimmigen Gestalten und ungestüm. Er sah wie körperliche Wesen Qualen und Schmerz erlitten, hörte ihr lautes Weinen und ihre schrillen Schreie. Sie wurden Opfer von Würmern und Hunden und äußerten Worte, welche das Herz mit Schmerz und Angst erfüllten. Manche schwammen im Fluß Vaitarani durch strömendes Blut oder wurden in jedem Augenblick durch heißen Sand verbrannt. Übeltäter wurden im Wald von Asipatra durchbohrt(1), in Raurava, dem Fluß von Salz und Soda, versenkt und mit Messers Schneide geschnitten. Sie riefen nach Wasser und litten Hunger und Durst, waren in Gerippe verwandelt, mager, kummervoll, bleich und mit losem Haar. Sie hatten Staub und Schmutz auf ihren Körpern und rannten elend und ausgetrocknet herum. All jene erblickte Ravana auf seinem Weg zu Hunderten und Tausenden.

Und er sah auch die anderen, wie sie vor ihren Häusern fröhliche Lieder sangen und Musikinstrumente spielten, als Früchte ihrer frommen Taten. Er sah die Spender von Kühen, wie sie sich an Milch erquickten, die Verteiler von Reis sich an Reis laben und die einst Häuser verschenkten sich an ihren Wohnstätten erfreuen als Früchte ihrer entsprechenden Taten. Er sah die Menschen mit Damen leben, welche über und über mit Gold, Edelsteinen und Juwelen geschmückt waren, und viel anderes frommes Volk, welches in seiner natürlichen Energie erstrahlte.

All dies sah Ravana, der Herr der Rakshasas. Durch seine Macht erlöste der Gewaltige diejenigen, welche von ihren üblen Taten gequält wurden. Die vom zehnköpfigen Raksha befreiten Wesen begannen, sich sofort an ihrer Erlösung zu freuen, die zu ihnen kam ohne einen Gedanken oder einen Zweifel. Doch weil der großmütige Rakshasa die Toten (vorzeitig) erlöst hatte, wurden die Totenwächter wütend und griffen den Rakshasa Herrscher an. Da erhob sich ein großer Tumult von all den heranstürmenden heroischen Kriegern des Königs der Gerechtigkeit. Diese Helden griffen Pushpak zu Hunderten und Tausenden mit Prashas und Knüppeln, Wurfpfeilen und Keulen, Speeren und Tomaras an. Sie schwärmten so schnell wie Bienen und begannen, die Sitze, Podien und Eingänge des Wagens zu zerbrechen. Doch Pushpaka besaß göttliche Energie und war unzerstörbar durch Brahmas Macht. Obwohl im Konflikt vieles zerstört wurde, nahm er gleich wieder seine frühere Gestalt an. Zahllos waren die Soldaten des Hochbeseelten. Es waren hunderte und tausende heldenhafte Krieger, die immer im Kampf voran eilten. Mit größter Macht fochten die Berater von Ravana und er selbst, die großen Helden, mit Bäumen, Felsen und hunderten Häuserteilen. Sie kämpften heftig und waren von Blut überströmt, denn sie wurden mit allen Arten von Waffen angegriffen. Ja, du Langarmiger, die Begleiter von Yama und Ravana bestürmten sich gegenseitig mit aller Kraft. Die höchst mächtigen Krieger von Yama ließen bald seine Berater beiseite und griffen nur noch Ravana mit Schauern von Speeren an. Völlig durchbohrt von ihren Waffen und sein Körper eingehüllt in Blut, erschien der Rakshasa König wie ein blühender Kinshuka in seinem Wagen Pushpaka (Pushpaka = aus Blumen erbaut). Doch der mächtige Meister aller Waffen wirbelte seinerseits Pfeile und Keulen, Prashas, Speere, Tomaras, Felsen und Bäume. Der wilde Geschoßhagel aus Bäumen, Steinen und Waffen fiel auf die Armee Yamas und die Erde. Sie fingen diese Waffen auf, widerstanden dem Hagel und schossen sie auf den Rakshasa zurück, der allein gegen Hunderte und Tausende kämpfte. Sie umschwärmten ihn wie Wolken einen Berg einhüllen, und mit ihren Bhindipalas und Pfeilen machten sie es ihm unmöglich, sich zu bewegen. Seine Rüstung war aufgerissen, seine Wut raste heftig, und das Blut floß über seine ganze Gestalt. Da sprang er vom Wagen auf den Boden. Mit Bogen und Pfeilen ausgerüstet gewann er schon bald seine Sinne wieder, und mit vermehrter Kraft stand er im Feld wie der Vollender. Er legte den göttlichen Pashupata (den Pfeil von Shiva) auf seinen Bogen, sprach zu ihm: "Töte! Töte!" und spannte den Bogen. In seiner Wut glich er Rudra selbst, spannte den Bogen bis zum Ohr und entließ den Pfeil, wie einst Sankara den Tripura angriff. Der Pfeil erschien wie ein alles auslöschendes Feuer im Sommer, dessen Flammen einen Wald verbrennen. Mit Ruhm geschmückt war der Pfeil, und es folgten ihm Geister (die Gefährten Shivas) in den Kampf. Er stürmte heran und äscherte lose Büsche und im Weg liegende Bäume ein. Von seiner Energie verbrannt fielen die meisten Gefolgsleute von Yama im Feld wie die Flaggen des Mahendra. Und der Rakshasa mit dem außergewöhnlichen Heldenmut stieß mit seinen Begleitern ein gewaltiges Gebrüll aus, welches die Erde erzittern ließ."


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(1) von den dortigen scharfen Blättern und Zweigen