Pushpak Ramayana Buch 6Zurück WeiterNews

Canto 115 - Sitas Freude

Der Vanar Anführer beugte sein Haupt und eilte hinter die Mauern von Lanka. Er nahm seinen Abschied vom neuen König und erreichte bald Sitas lieblichen Garten. Er fand die Königin unter einem Baum mit ihren Rakshasa Wächterinnen. Die bleiche Wange, das verwirrte Haar und auch die Kleidung zeigten ihre tiefe Verzweiflung. Näher und näher kam der Bote, und die weinende Dame begrüßte ihn sanft. Sie erhob sich in süßer Überraschung, und plötzliche Freude glomm in ihren Augen auf. Denn sie kannte wohl die Stimme des Vanars, und neue Hoffnung sproß und wuchs in ihr.

"Schöne Königin," sprach er, "unsere Aufgabe ist getan. Der Feind ist geschlagen und Lanka gewonnen. Triumphierend unter triumphierenden Freunden sendet König Rama dir freundliche Worte des Grußes: 'Um deinen gesegneten Willen, meine treue Gemahlin, stellte ich mich meinem tödlichen Feind und schlug ihn. Meine Augen waren Fremde für den Schlaf: Ich baute eine Brücke über das Meer und überquerte es bis zum Strand von Lanka, um den mächtigen Eid zu halten, den ich schwor. Nun, meine sanfte Liebe, zerstreue deine Sorgen und weine nicht länger, denn alles ist gut. Fürchte dich nicht länger, in Ravanas Haus zu sein, denn der gute Vibhishan hat nun die Herrschaft, und er ist für stete Wahrhaftigkeit und Freundschaft bekannt.' So grüßt er dich, dein Herz aufzuheitern und von Liebe getrieben wird er bald hier sein."

Da rötete sich die Wange der Dame vor Freude, ihre Augen flossen über, und die Stimme versagte. Mit ihren Schluchzern kämpfend brach sie das Schweigen und sprach schwach: "So schnell kam die Flut des Entzückens, daß meine zitternde Zunge kein Wort bilden konnte. Noch niemals hörte ich in glücklicheren Tagen eine Geschichte, die so viel Freude brachte, wie diese. Die Nachricht, welche deine Lippen erzählten, ist so viel kostbarer als Edelsteine und Gold." Der Vanar erhob seine ehrenden Hände und lobte die Antwort der Dame: "Süß sind die Worte, oh Königin, welche du in Treue zu deinem Herrn gerade gesprochen hast. Sie sind viel besser als Juwelen und teure Perlen, oder sogar der Thron im Paradies. Doch Dame, bevor ich diesen Ort wieder verlasse, gewähre mir, so bitte ich dich, eine einzelne Gnade. Erlaube es mir, und diese rächende Hand wird deine Wache erschlagen, diese Rakshasa Bande, deren grausam beleidigende Drohungen und Verachtung deine zarte Seele so lange ertragen mußte." So sprach Hanuman in strenger Laune. Doch die Maithili Dame erwiderte: "Nein, sei niemals zornig mit Dienern. Was ihr Monarch befiehlt, das müssen sie befolgen. Als Vasallen ihres Herrn erfüllen sie jede Laune ihres Herrschers. Schreibe meinen eigenen Sünden diese Schande zu, denn wir ernten die Früchte, die wir säten. Diese Damen gehorchten dem Willen des Tyrannen, wenn sie mit ihren schrecklichen Drohungen meine Seele verwirrten."

Von Bewunderung bewegt billigte der Vanar Anführer ihre Worte: "Deine Rede ist einer würdig, die dem Sohn des Raghu in Liebe verbunden ist. Nun sprich, oh Königin, daß ich um deine Freude weiß, denn ich gehe nun zu ihm zurück." Der Vanar verstummte, und Janaks Kind gab ihre Antwort mit einem lieblichen Lächeln: "Mein erster und einziger Wunsch kann nur sein, oh Anführer, meinen geliebten Herrn zu sehen." Wieder sprach der Vanar Bote und erweckte neues Entzücken mit seinen Worten: "Königin, bevor die Sonne aufhört zu scheinen, sollen deine Augen in die Ramas schauen. Der Sohn des Raghu wird dir wieder sein mondhelles Gesicht zuwenden. Du sollst seinen treuen Bruder wiedersehen und alle Freunde, die für dich fochten. Und du wirst wieder deinen König grüßen, wie Sachi ihren himmlischen Herrn (die Gemahlin Indras)." Dann wandte er seine Schritte zu Raghus Sohn und erzählte ihm ihre Botschaft.


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