Pushpak Ramayana Buch 5Zurück WeiterNews

Kapitel 58 - Hanumans Erzählung

(Griffith läßt hier drei Cantos mit Wiederholungen aus: Hanuman erzählt ausführlich, was ihm passierte, Angad schlägt vor, die Titanen samt Ravana gleich und jetzt zu vernichten und Sita zu befreien, doch Jambavan verweist auf den Befehl Sugrivas, nur die südlichen Regionen zu durchsuchen, um Sita zu finden, nicht sie zu befreien. Außerdem hatte Rama geschworen, Sita zu befreien, und diesen Eid sollte er selbst einlösen. Darum wird beschlossen, nach Kishkinda zurückzukehren.
Doch für jene, welche die lange Version vorziehen, folgen hier die drei Kapitel in der Übersetzung von M.N.Dutt:)

Mit Hanuman an der Spitze ließen sich die mächtigen Affen auf dem Gipfel des Berges Mahendra nieder und freuten sich riesig. Nachdem sich alle gesetzt hatten, ergriff Jambavan mit frohem Herzen das Wort und stellte dem Sohn des Windgottes viele Fragen über das Geschehene: "Wie hast du die Verehrungswürdige gefunden? Wie ergeht es ihr dort? Wie verhält sich der grausame Zehnköpfige ihr gegenüber? Erzähl uns alles ganz genau, oh mächtiger Affe. Wie fandest du die Spur der hohen Dame? Was entgegnete sie deinen Fragen? Wenn wir den Stand der Dinge erfahren haben, werden wir entscheiden, was als nächstes getan werden muß. Du sollst uns alles sagen, was wir daheim dem Selbstbeherrschten erzählen werden und was wir besser für uns behalten."

Solcherart gebeten, verbeugte sich Hanuman tief in Verehrung für Sita und antwortete mit vor Freude abstehendem Fell: "Vor euren Augen sprang ich ab mit konzentriertem Geist, um das andere Ufer des Ozeans zu erreichen. Als ich so unterwegs war, erschien ein großes Hindernis. Es war ein edler und goldener Gipfel, der mir den Weg versperrte und mich störte. Als ich mich dem großen und golden strahlenden Gipfel näherte, dachte ich bei mir: "Ich werde ihn spalten." Und mein Schwanz zerriß den sonnengleichen Gipfel des mächtigen Berges in tausend Splitter. Daraufhin beruhigte der gewaltige Berg mein Herz mit lieblicher Rede: "Oh Sohn, wisse, ich bin dein Onkel. Ich bin ein Freund des Windes, bekannt als Mainaka, und lebe in den Tiefen des Meeres. Früher gehörte ich zu jenen Bergen, denen Flügel gegeben waren. Wir wanderten über die Erde, wie es uns gefiel, und richteten viele Verwüstungen an. Als der große Indra, der mit den sechs Reichtümern gesegnete Träger von Paka, davon erfuhr, schnitt er mit seinem Donnerblitz tausenden von uns die Flügel ab. Damals wurde ich von deinem Vater, dem hochbeseelten Gott des Windes, gerettet und in das Reich Varunas versenkt. Oh du Feindebezwinger, ich werde dem Sohn des Raghu helfen. Rama ist der Beste unter den Gerechten und besitzt Heldenkräfte wie Mahendra selbst." Nach diesen Worten des großartigen Mainaka, erzählte ich dem Berg von meiner Mission, und meine Gedanken hielten ihren Kurs. Zuvor hatte der große Mainaka die Gestalt eines Mannes angenommen. Nun gab er mir seine Erlaubnis zum Weiterreisen, kehrte zu seiner Bergesform zurück und verschwand in der weiten See. Mit größtmöglicher Schnelligkeit nahm ich den Rest meines Weges in Angriff. Nach einer Weile erblickte ich die hohe Dame Surasa, die Mutter der Schlangen. Diese Ehrwürdige erhob sich aus dem Meer und sprach: "Von den Himmlischen, oh Bester der Affen, wurdest du mir zur Nahrung angewiesen. Daher werde ich dich aufessen. Die Götter haben dich mir übergeben." In demütiger Haltung, mit gefalteten Händen und bleichem Antlitz murmelte ich zur Antwort: "Rama, dieser anmutige und feindebezwingende Sohn Dasarathas, kam vor einiger Zeit in die Wälder von Dandaka mit seinem Bruder Lakshmana und seiner Gattin Sita. Seine Frau wurde vom hinterhältigen Ravana geraubt. Auf Ramas Befehl gehe ich zu ihr als Bote. Du solltest Rama in dieser Sache behilflich sein. Nachdem ich Mithilas Tochter und dann den unermüdlichen Rama gesehen habe, werde ich mich deinem Mund übergeben. Dies verspreche ich dir aufrichtig." So bat ich Surasa, welche ihre Gestalt nach Belieben ändern konnte. Doch sie erwiderte: "Niemand ist in der Lage, mir zu entkommen. Dies ist der Segen, den ich erhielt." Nach diesen Worten von Surasa, dehnte ich mich um zehn Yoyanas aus, und gleich noch um weitere zehn. Doch sie riß ihren Mund noch viel weiter auf. Als ich ihren weit geöffneten Schlund sah, machte ich mich in einem Augenblick winzig klein, nur so groß wie ein Daumen. Schnell sprang ich in ihren Mund und kam sofort wieder heraus. Da sprach die hohe Dame zu mir in ihrer ursprünglichen Gestalt: "Du hast dein Ziel erreicht, oh du Sanfter. Geh, oh Bester der Affen, wie es dir beliebt. Triff dich mit Vaidehi und dem hochbeseelten Raghava. Sei gesegnet, du mit den mächtigen Armen. Ich bin mit dir sehr zufrieden, oh Affe." Dann priesen mich alle Wesen: "Exzellent. Exzellent." Und wie Garuda sprang ich erneut in die Lüfte. Doch plötzlich wurde mein Schatten festgehalten, obwohl ich niemanden entdecken konnte. Zum Stillstand gezwungen durchforschte ich alle zehn Himmelsrichtungen, doch nichts und niemand war zu sehen. Dann überlegte ich: "Welches Hindernis ist nun dies wieder auf meinem Weg? So plötzlich kommt es, und ich kann keine Form erkennen." Betrübt stand ich da, und mein Blick fiel nach unten. Da sah ich eine gräßliche Rakshasi in den Fluten, wie sie auf dem Rücken schwamm. Verächtlich lachend sprach die Grimmige folgende ungünstige Worte zu mir, dem zwar still Haltenden, doch Unerschrockenen: "Wohin des Wegs, du mit dem riesigen Körper? Komm, laß dich aufessen. Ich habe Hunger und bin gierig. Befriede meinen Körper, der für lange Zeit nichts zu essen hatte." Ich sagte: "Gut.", ihre Rede hinnehmend, und dehnte mich weiter aus, als ihr Schlund es fassen konnte. Doch ihr riesiger und fürchterlicher Schlund wurde groß und weit, um mich zu verschlingen. Sie kannte mich nicht, obwohl ich meine Gestalt nicht verändert hatte. In der nächsten Sekunde hatte ich mich wieder verkleinert, ihr das Herz herausgerissen und war in den Himmel entschwunden. Und die Schreckliche warf ihre Arme in die Luft und fiel zurück in die salzige See. Da erhoben sich sanfte Stimmen von all den Wesen ringsumher: "Die tödliche Rakshasi Sinhika wurde von Hanuman flugs besiegt." Doch ich dachte an die Verzögerung meines Auftrags und eilte schnell weiter, bis ich das südliche, von Bergen gesäumte Ufer des Ozeans erblickte, an dem Lanka lag. Als die Sonne untergegangen war, näherte ich mich der Stadt mit den furchtbar energischen Rakshasas. Sofort stellte sich mir ein weibliches Wesen entgegen, die gewalttätig lachte und so prächtig war, wie die Wolken am Ende des Kalpas (Zeitalter). Mit der linken, geballten Faust schlug ich die furchtbare Gestalt mit den Flammenhaaren, welche versucht hatte, mein Leben zu nehmen, besiegte sie und betrat in der Dämmerung Lanka. Die besiegte und ängstliche Dame sprach zu mir: "Oh Held, ich bin die Stadt Lanka und wurde von deiner Heldenkraft besiegt. Du wirst überall alle Rakshasas bezwingen." Dann wanderte ich die ganze Nacht umher und suchte Janakas Tochter. Auch in den inneren Gemächern von Ravana suchte ich nach ihr, doch ich fand die Schlankhüftige nicht. Da wurde ich in ein Meer von Sorgen geworfen und wußte keinen Weg, es zu überqueren. Traurig wie ich war, entdeckte ich ein Haus in einem zauberhaften Wäldchen, welches von einer Mauer aus hervorragendem Gold umgeben war. Ich sprang über die Mauer und fand mich in einem wunderbaren Hain voller Bäume wieder. Inmitten eines Asoka Wäldchens stand ein großer Singshapa Baum. Ich kletterte hinauf, und nahebei erblickte ich die überirdisch Schöne mit der dunklen Haut und den Augen wie Lotusknospen. Ihr Gesicht war wegen des langen Fastens ganz bleich geworden, und sie war in ein einfaches Gewand gekleidet. Ihr Haar war mit Staub bedeckt, und ihre Glieder waren geschwächt von der Hitze des Kummers und der Trauer. Die allseits in das Wohl ihres Herrn versunkene Sita war von einer Bande grausamer und übelgeformter Rakshasis umgeben, die sich von Blut und Fleisch ernährten, wie ein Reh inmitten von Tigerinnen. Schon bald wollte ich mich ihr vorstellen, ihr, die unter den Drohungen der Dämoninnen litt, ihren einzelnen Haarzopf trug, von Leid bedrängt wurde und immer an ihren Herrn dachte. Ihre Glieder waren verfärbt, weil sie den Boden berührten, wie ein Lotus, wenn der Winter kommt. Ihre Augen waren wie die eines jungen Rehs, und sie wandte sie von allen Freuden ab, die Ravana ihr anbot, auch als er ihrem Leben nur noch kurze Zeit gab. Doch zuerst blieb ich noch im Baum versteckt, als sich in Ravanas Haus großer Lärm erhob aus feierlichen Klängen und dem Klingeln von Gürteln, Fußglöckchen und Armreifen. Äußerst aufgeregt veränderte ich meine Gestalt und blieb als Vogel im abgedunkelten Teil des Baumes. Da kamen die Damen Ravanas mit ihm selbst, dem außerordentlich Starken, zu dem Ort, an dem Sita war. Als sie den Herrn der Rakshasas erblickte, bedeckte die traumhaft Schöne ihre vollen Brüste mit den Armen und schloß die Oberschenkel. Als Ravana die aufgeregte, einsam zitternde und wild um sich blickende Sita sah, die nirgends Zuflucht fand, da sagte der Zehnköpfige zu der sich Fürchtenden: "Ohne Worte falle ich dir zu Füßen. Oh du Schöne, sieh mich an. Wenn du Hochmütige mich wegen deines stolzen Herzens nicht ehrst, werde ich in zwei Monaten dein Blut sehen." Sita wurde nach diesen Worten des gemeinen Ravana sehr wütend und antwortete ihm in hervorragender Weise: "Oh du Schlimmster der Rakshasas, du führtest eine unangemessene Rede gegen die Ehefrau von Rama und Schwiegertochter des Dasaratha, dem Herrn des Ikshvaku Geschlechts. Wie kommt es, daß deine Zunge nicht abfällt? Schande über deinen Heldenmut, oh Lump, denn du raubtest mich, als mein hochbeseelter Gatte nicht da war und dich nicht erblickte. Du bist niemals wie Rama. Du bist nicht einmal würdig, sein Sklave zu sein. Raghava ist unbesiegbar, wahrhaft, heroisch und dürstet nach Kampf." Nach dieser Rede von Janaki entflammte der Zehnköpfige im Zorn wie das Feuer auf dem Scheiterhaufen. Seine bösen Augen rollten wütend, er erhob die geballte, rechte Faust, um Mithilas Tochter zu töten, doch seine Frauen schrien auf mit "Weh!" und "Ach!". Inmitten seines Gefolges erhob sich die Gemahlin des Niederträchtigen, die hervorragende Mandodari, und hielt ihn zurück. Sie sprach sanfte, lustvolle Worte zu ihm: "Oh du, der du Indra an Heldenmut gleichst, vergnüge dich mit mir. Janaki ist nicht besser als ich. Lieber Herr, vergnüge dich mit den Töchtern der Himmlischen, Gandharvas und Yakshas. Was willst du mit Sita?" Da erhob sich der höchst mächtige Wanderer der Nacht und ging in seinen Palast zurück. Nach seinem Weggang fielen die Rakshasis mit den gräßlichen Gesichtern schimpfend und mit harten und grausamen Worten über Sita her. Doch Janaki beachtete ihre Worte wie einen Strohhalm, und ihre Rage zeigte keine Wirkung auf Sita. Nach einer Weile hörten die fleischfressenden Dämoninnen mit ihrem unnützen Geschimpfe auf und setzten Ravana von Sitas fester Absicht in Kenntnis. Und endlich, mit verbrauchter Kraft und Hoffnung, fielen alle der Herrschaft des Schlafes zum Opfer. Nur Sita, die allseits an ihren Herrn dachte, begann mitleiderregend und verloren zu klagen. Doch inmitten der Dämoninnen sprach plötzlich Trijata zu den anderen: "Fallt ihr nur schlingend über euch selbst her, aber verschont die dunkeläugige Sita, die keusche Tochter des Janak und Schwiegertochter von Dasaratha. Denn wahrlich, ich schaute einen düsteren Traum, der einem die Haare zu Berge stehen ließ und von der Vernichtung der Rakshasas und dem Sieg ihres Ehemannes kündete. Um uns Dämoninnen vor Raghava zu beschützen, sollten wir dringend um Sitas Hilfe bitten. Wenn ich den Traum der Bekümmerten erzähle, wird sie ihr Leid vergessen und sich freuen. Von unseren Verbeugungen milde gestimmt, wird sie die Dämoninnen von einer gewaltigen Furcht befreien." Daraufhin sprach die schüchterne Maid in großer Freude über die Aussicht auf den Sieg ihres Gatten: "Wenn dies sich als wahr erweisen wird, dann sollt ihr meinen Beistand bekommen."

Nachdem ich Zeuge dieses schwierigen Zustandes von Sita geworden war, begann ich nachzudenken. Mein Geist konnte lange keine Ruhe oder Befreiung von den Gedanken finden. Ich überlegte, wie ich Janaki ansprechen konnte. Schließlich rühmte ich das Geschlecht des Ikshvaku. Als die hohe Dame meine Worte und all die Beschreibungen von den Tugenden des Raghava vernahm, erwiderte sie mit tränenverhangenen Augen: "Wer bist du? Wie hast du, Bester der Affen, deinen Weg hierher gefunden? Warum folgst du entzückt meinem Rama? Du mußt mir alles erklären." Nun sprach ich zu ihr: "Oh Verehrte, dein Ehemann Rama hat einen herausragend starken Helfer gefunden mit Namen Sugriva. Er ist der mächtige und gefürchtete Herr der Affen. Wisse, ich bin sein Diener Hanuman und wurde vom unermüdlichen Rama, deinem Gemahl, als Bote gesandt. Oh gerühmte Dame, der außerordentlich strahlende Sohn des Dasaratha, dieser Beste der Männer, sendet dir diesen Ring als Zeichen. Nun wünsche ich von dir zu erfahren, welchem deiner Befehle ich gehorchen soll, oh verehrte Dame. Soll ich dich zum nördlichen Ufer des Meeres zu Rama und Lakshmana tragen?" Überlegend erwiderte Sita, Janaks Tochter: "Zum Ärger von Ravana soll Raghava selbst mich von dannen tragen." Da beugte ich mein Haupt vor der ehrbaren und makellosen Dame und bat um ein Zeichen ihrerseits, um Rama eine Freude zu bereiten. Und Sita meinte: "Oh du mit den starken Armen, nimm diesen hervorragenden Edelstein, welcher dir bei Rama hohe Achtung einbringen wird." So übergab mir die von Angst gepackte Schöne dieses Juwel und erzählte mir noch die Geschichte von der Krähe. Zur Rückkehr entschlossen beugte ich mich nochmals vor ihr und umschritt die ehrbare Dame mit gesammeltem Geist. Nachdenklich sprach sie nochmals zu mir: "Hanuman, erzähle dies alles auf solche Weise, daß die Helden Rama und Lakshmana nebst Sugriva veranlaßt werden, sofort hierher zu kommen. Ich habe sonst nur noch zwei Monate zu leben. Raghava wird mich dann nie wiedersehen, und ich werde mein Leben aufgeben, wie eine, die keinen Ehemann hat."

Nach diesen mitleiderregenden Worten wurde ich von Zorn übermannt und beschloß in einem Moment, die Stadt Lanka zu zerstören. Ich vergrößerte meinen Körper zu einem Berg und verwüstete den Wald, um zum Kampf herauszufordern. Der ganze Wald wurde zerstört, die Hirsche und Vögel flohen ängstlich davon, und die erwachenden Dämoninnen wurden Zeugen. Sie rotteten sich zusammen und trugen die Nachricht von mir und meinen Taten zu Ravana mit folgenden Worten: "Oh König von gewaltiger Heldenkraft, dein Wald und Palast wurden von einem bösartigen Affen zerstört, der deine Stärke nicht kennt. Oh König, er ist von zerstörerischer Art und will dein Unglück. Verlange nach seinem Kopf, damit er nicht zurückkehren kann." Als er dies vernommen hatte, schickte der Herr der Rakshasas eine auserwählte Truppe von Dämonen mit Namen Kinkaras (seine persönlichen Diener) los. Im Nu tötete ich mit einer Keule achtzigtausend von ihnen, sobald sie den Wald mit Pfeilen und Keulen bewaffnet betreten hatten. Die wenigen, die sich retten konnten, trugen die Nachricht schleunigst zu Ravana und erzählten ihm alles über die Vernichtung seiner Soldaten durch mich. Dann beschloß ich, den heiligen Chaitya Palast niederzureißen und tötete mit einer Säule alle dort stationierten Rakshasas. In Wut entflammt zerstörte ich diesen Palast, welcher der Beste in ganz Lanka war. Daraufhin schickte Ravana Jambumali, den Sohn des Prahasta. Mit meiner gräßlichen Keule zermalmte ich diesen mächtigen Rakshasa mitsamt seinem Gefolge von schrecklichen und grimmigen Dämonen. Als dies Ravana erfuhr, sandte der Herr der Rakshasas die außerordentlich starken Söhne seiner Minister gefolgt von einem Regiment Infanterie ins Feld. Doch auch diese sandte ich ins Reich des Todes mithilfe meiner Waffe. Als nächstes schickte Ravana fünf seiner heroischen Kommandeure, doch ich schlug sie alle mitsamt ihren Armeen. Nun war es an der Zeit, daß der zehnköpfige Dämon seinen starken Sohn Aksha in die Schlacht schickte, der von einer Menge Rakshasas begleitet wurde. Sobald der prinzliche Sohn der Mandodari sich geübt im Kampfe hoch in die Lüfte erhob, packte ich ihn am Bein, wirbelte ihn hundert mal herum und zermalmte ihn im Staub. Als Ravana vom Tode Akshas erfuhr, wurde er sehr zornig und sandte einen anderen Sohn in den Kampf, den gewaltigen und unbesiegbaren Indrajit. Mit großem Vergnügen bedrängte ich auch diesen Besten der Rakshasas mit seinen Heeren. Doch der Held mit dem hervorragenden Mut und den starken Armen war nebst den anderen stolzen Helden von Ravana mit großer Zuversicht ausgesandt worden. Als Indrajit meine unausweichliche Kraft und seine Krieger geschlagen sah, da fesselte er mich mit einer Brahma Waffe. Gleich darauf banden mich die anderen Rakshasas mit einem Seil und trugen mich zu Ravana. Ich wurde vom brutalen Ravana empfangen und gefragt, warum ich nach Lanka gekommen war und so viele Rakshasas getötet hätte. Daraufhin erwiderte ich: "Das habe ich für Sita getan. Ich kam, um sie zu sehen, oh Held. Ich bin der Affe Hanuman, der Sohn von Maruta selbst. Erkenne mich als Ramas Gesandten und Minister von Sugriva. Höre meine Mission. Ich werde dir, oh Herr der Rakshasas, die Botschaft ausrichten, welche mir der Affenkönig für dich auftrug. Oh großer Held, Sugriva erkundigt sich nach deinem Wohl und wünscht, daß ich dir folgende wohlgemeinte Worte verkünde, welche zu Frömmigkeit, Reichtum und der Erfüllung von Wünschen führen. "Während ich in einem schrecklichen Konflikt auf dem grünen Berge Rishyamuka lebte, schloß ich mit Raghava Freundschaft. Er sprach zu mir: Meine Gemahlin wurde von einem Rakshasa geraubt. Gewähre mir Hilfe in der Sache. Mit dem Feuer als Zeugen wurden Rama und Lakshmana meine Freunde, denn ich war von Bali des Königreichs beraubt worden. Nachdem er Bali im Kampfe mit einem einzigen Pfeil getötet hatte, machte mich Rama zum Herrn über alle Affen. Daher ist es nun an mir, ihm alle Unterstützung zu gewähren. Aufgrund dieses Vertrages habe ich Hanuman zu dir als Boten gesandt. Bring schnell Sita zurück und übergib sie Rama, bevor dich alle Affen bedrängen. Und wer kennt nicht die heldenhafte Kraft der Affen, als sie in alter Zeit sogar die Himmlischen besuchten?" Mit diesen Worten hat mich der König der Affen zu dir gesandt." Da schaute mich Ravana an, als ob er mich mit seinen zornigen Blicken verbrennen wollte. Dann befahl er meinen Tod, denn er wußte nicht um meine Kräfte. Doch sein hochbeseelter Bruder Vibhishan setzte sich für mich auf folgende Weise ein: "Oh Erster der Rakshasas, ändere deinen Entschluß. Der Pfad, dem du folgst, ist jenseits der Grenzen von königlicher Politik. Die Vernichtung eines Boten wird von der königlichen Moral nicht gutgeheißen. Sie vollführen nur den Befehl ihres Herrn. Oh du mit dem unvergleichlichen Heldenmut, es gibt keine Entschuldigung für die Hinrichtung von Boten, auch wenn sie eine große Ungerechtigkeit begehen. Manchmal wurden sie jedoch verunstaltet." So von Vibhishan gebeten, befahl Ravana seinen Dämonen: "Verbrennt den Schwanz des Affen." Die prächtig bewaffneten und gerüsteten Rakshasas folgten seinem Befehl und umwickelten meinen Schwanz mit Baumwoll-, Seide- und Jutestreifen. Sie schlugen mich mit ihren geballten Fäusten und zündeten meinen Schwanz an. Obwohl ich mit vielen Stricken gebunden und gefesselt war, spürte ich doch nicht die geringste Angst, denn ich wollte mir die Stadt bei Tage besehen. Gefesselt und mit brennendem Schwanz führten mich die heldenhaften Rakshasas durch die Straßen der Stadt bis vor das Tor. Dort angekommen verkleinerte ich meinen riesigen Körper, entschlüpfte den Fesseln und nahm wieder meine vorherige Gestalt an. Ich hob einige eiserne Waffen auf und tötete alle Rakshasas um mich herum. Dann sprang ich schnell über das Stadttor und verbrannte mit meinem Schwanz die ganze Stadt vom Palast bis zu den äußeren Toren in einem Feuer, das der Vernichtung der ganzen Schöpfung glich. Und dies beunruhigte mich nicht im geringsten. Doch dann überlegte ich: "Sicherlich wurde Janaki auch getötet, denn ich sehe nichts in Lanka, was nicht niedergebrannt worden wäre. Wahrlich, die ganze Stadt wurde in Schutt und Asche gelegt. Sicher habe ich auch Sita mitsamt der Stadt verbannt, und somit das große Werk Ramas zum Scheitern verurteilt." Von Trauer überwältigt hörte ich plötzlich die glücksverheißenden Stimmen der Charanas, die Verwunderung in mir weckten: "Janaki wurde nicht verbrannt." Als ich diese wunderbaren Worte vernahm, regten sich mir wieder die Sinne. Auch war ich durch ein besonderes Zeichen davon überzeugt, daß Sita nichts geschehen war. Denn obwohl mein Schwanz lange gebrannt hatte, war ich selbst nicht zu Asche verbrannt. Mein Herz jubelte vor Freude, und der Wind verbreitete köstlichen Duft. Wegen dieser offenkundigen Zeichen und aufgrund meines Vertrauens in die heldenhafte Kraft Ramas, in Sita und die Stimmen der Asketen spürte ich großes Entzücken in meinem Herzen. Noch einmal besuchte ich Vaidehi und verließ sie wieder. Ich bestieg den Berg Arista und sprang zurück zu euch. Ich folgte der Spur des Windes, der Sonne, des Mondes, der Gandharvas und Siddhas und sehe euch nun alle vor mir. Mit Ramas Wohlwollen und eurer heroischen Kraft erfüllte ich Sugrivas Auftrag. Nun habe ich euch alles erzählt, was ich in Lanka tat, und es ist nun an euch, das Übrige zu erledigen."


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