Pushpak Ramayana Buch 4Zurück WeiterNews

Canto 26 - Die Krönung

Alle Vanar Berater und Edelmänner scharten sich in großer Zahl um Sugriva, den trauernden König mit der nun nassen Kleidung, von der Welle benetzt. Vor dem Prinzen von Raghus Samen, der unermüdlich seine Taten wirkte, versammelten sie sich und erhoben ihre ehrfürchtig gefalteten Hände wie Heilige vor Lord Brahma. Dann sprach Hanuman mit der massigen Gestalt, wie ein hoher Berg aus blitzendem Gold, Sohn des Gottes, dessen wilde Stürme den Wald durchschütteln, zu Rama wie folgt: "Durch deine freundliche Gunst, oh mein Herr, wurde Sugriva im Triumph seiner Heimat wiedergegeben, und sein Rang, seine Macht und seine königliche Herrschaft wurden heute zurückerobert. Er wird nun jeden treuen Freund in die Stadt rufen und ihn darum bitten, daß er ihm mit weisem Rat und besonnener Sorge in allen Dingen beiseite steht, die ihn dort erwarten. Dann soll Balsam unseren Monarchen salben, wie es die Gesetze bestimmen, und Juwelen und kostbare Kränze sollen sein dankbares Angebot an dich sein, oh König. Oh Rama, lenke deine Schritte mit deinem Freund in die Stadt, setze unseren Herrscher auf seinen Thron und beglücke uns alle mit deiner Anwesenheit."

Da erwiderte der Sohn des Raghu geübt in den Traditionen und Künsten, welche die Redner leiten: "Für vierzehn Jahre werde ich nicht den Auftrag vernachlässigen, den mein Vater aussprach. Bis diese Zeit verflogen ist, kann ich die Straßen einer Stadt oder eines Dorfes nicht betreten. Laß König Sugriva die Stadt aufsuchen, die ihres hohen Ruhmes höchst würdig ist, und ihn dort ohne Verzögerung salben und seine Herrschaft beginnen." Und zu Sugriva sprach der König der Menschen: "Du kennst das Recht. Also weihe du Prinz Angad zum Mitregenten, denn er ist edel, wahrhaft, tapfer und darin geübt, dem rechten Kurs zu folgen. Die Gaben seines Vaters schmücken den Jüngling, der als Ältester (Sohn) dem Ältesten (Bruder) geboren ward.

Dies ist der Monat Sravana (Juli/August), der erste von denen, welcher die Regenwolken bersten sieht. Vier Monate dauert die Regenzeit, wie du wohl weißt. Dies ist nicht die Zeit für kriegerische Taten. Suche du deine schöne Metropole auf, und ich werde mit Lakshmana, oh mein Freund, die Zeit auf jenem Hügel verbringen. Dort öffnet sich eine geräumige Höhle, ganz lieblich in der Bergesluft, und Lotusse und Lilien füllen den hübschen See und den murmelnden Bach. Wenn der Monat Kartik (Oktober/November) den Himmel aufklart, dann beginne das mächtige Unterfangen. Doch nun, Prinz, ziehe dich in dein Heim zurück und sei der gesalbte Herrscher."

Sugriva hörte, neigte sein Haupt und eilte in die liebliche Stadt, in der Balis königlicher Wille geherrscht hatte, und wo sich tausende Vanar Anführer um ihren König scharten und ihn willkommen hießen. Die Menge des Volkes zeigte höchsten Respekt und verneigte sich tief, bis zum Boden. Sugriva schaute mit dankbaren Augen, sprach zu ihnen allen und bat sie, sich zu erheben. Dann wanderte er durch die königlichen Gemächer, in denen die Gemahlinnen des Monarchen lebten. Bald kam der Vanar mit dem hohen Ruhm in die inneren Kammern. Fröhliche Freunde scharten sich um ihn und schütteten den königlichen Balsam über sein Haupt, wie die Götter im Himmel ihren Herrscher mit den tausend Augen(1) salben. Dann brachten sie den weißen Schirm mit Gold bedeckt, den sie über den König hielten, auch Chouries mit ihrem wehenden Haar und goldenen, wundersam schönen Griffen, duftende Kräuter, Samen und Gewürze, funkelnde, unbezahlbare Juwelen und alle Blüten der Wälder. Weiterhin brachten sie Kautschuk, der aus milchigen Bäumen destilliert wurde, und kostbare Salben weiß wie Milch, fleckenlose Kleidung aus Tuch und Seide, Kränze aus süßen Blumen, die in grasigen Hainen, Teichen oder Strömen anmutig glänzten, auch duftenden Sandel und jedes Aroma, welches die sanfte Brise wohlriechend macht. Korn, Honig, duftende Samen, viel Öl und Milch und goldenes Erz, das edle Fell eines Tigers und ein Paar Sandalen der teuersten Art wurden gebracht. Acht Paare von Damen näherten sich und trugen verschiedenfarbige Salben herbei. Dann wurden Edelsteine, Lebensmittel und Kleidung vor den zweifachgeborenen Priestern ausgelegt, damit sie geruhten, in rechter Ordnung die Weihes des Königs erneut durchzuführen. Das heilige Gras wurde ordentlich ausgestreut und die geheiligte Flamme genährt. Schriftenkundige Priester hatten dazu das Öl bereitgestellt, welches durch Texte geheiligt wurde. Mit allen Rechten seit alters her geweiht, saß dann Sugriva auf seinem Thron, hoch oben auf der Terrasse aus Gold, auf der ein herrlicher Teppich und frisch gepflückte Girlanden lagen, süß und bunt, und wandte seine Blicke zum Orient. Aus Stierhörnern und goldenen Urnen trank der Vanar reines Wasser aus den Strömen und Bächen und von jedem geweihten Ufer und jedem Ozean, die sich ihren Weg durch das Land bahnten. Und wie es die heiligen Traditionen und viele mächtige Weise beschreiben, schütteten dann die Anführer der Vanars das geheiligte Wasser über ihrem Herrn aus. Von jedem Vanar kamen am Ende der imperialen Zeremonie Schreie des glücklichen Triumphes, laut und lang, welche von der hochbeseelten Menge wiederholt wurden.

Als der Ritus vorüber war, gehorchte Sugriva dem Befehl des Raghusohnes. Er zog Prinz Angad an seine Brust und weihte ihn als Partner seiner Herrschaft. Und wieder erklangen aus der Armee laute Hurrarufe und fröhliches Geschrei. "Wohl getan, wohl getan!" rief jeder Vanar und lobte den guten Sugriva. Auch Rama und sein Bruder wurden mit glücklichen, lauten Stimmen gepriesen, und das helle Kishkinda erstrahlte an jenem Tag mit fröhlichen Scharen und bunten Bannern.

(Ergänzung von Dutt:
Nachdem Sugriva, der höchst mächtige Führer der Affen Heere, Rama von seiner Inthronisierung informiert hatte, bekam er seine Frau Ruma zurück und regierte das Königreich wie Indra, der Herr der Himmlischen.)


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(1) Indra, als die nächtliche Sonne, versteckt sich im Sternenhimmel. Die Sterne sind seine Augen.