Pushpak Ramayana Buch 4Zurück WeiterNews

Canto 1 - Ramas Klage

Die Prinzen standen am Ufer der Pampa, welche mit blühenden Lilien verziert war. Mit verstörtem Herzen und geplagten Sinnen ließ Rama dort seine mitleiderregende Klage ertönen. Als die schöne Flut sich vor ihm ausbreitete, da gab die Vernunft im Prinzen nach, zärtliche Gedanken erwachten in ihm, und er sprach zu Sumitras Sohn: "Wie lieblich sich die Wasser der Pampa uns zeigen, und wie kristallklar die Ströme fließen. Welch prächtige Bäume neigen sich über die Flut, die von geöffneten Lotusblüten übersät ist. Schau auf die Ufer der Pampa mit ihren dichten, sich weit erstreckenden und göttlich schönen Wäldern. Ganze Reihen von Bäumen, die so hoch wie Berge sind, recken ihre stolzen Wipfel in den Himmel. Doch die Gedanken an Bharatas Schmerz und Mühe und meine liebe Gemahlin als Beute eines Giganten bestürmen mein gequältes Herz und drücken meinen Geist schwer hinunter. Obwohl ich tief im Kummer versunken bin, scheinen mir die helle Pampa und ihre Wälder immer noch schön, wo kühle und frische Wasser den Blick verzaubern, vielfarbige Blumen strahlen, die Lotusblüten in bunter Zahl ihre vergängliche Schönheit entfalten, und wo Leoparden, Tiger, Hirsch und Schlange jede Lichtung, jedes Tal und jeden Bach heimsuchen. Jene grasigen Stellen dort stellen die Farben von Topas und blauem Saphir zur Schau. Sie schauen fröhlich aus durch all ihre bunten Blumen und wetteifern mit reich geschmückten Häusern. Welche Last an Blüten die hohen Bäume krönt oder ihre Äste sich niederbeugen läßt! Und Kletterpflanzen mit Knospen und Blüten an den Spitzen hängen über jedem Zweig und beladenem Ast. Es weht eine kühle und köstliche Brise und entzündet der Liebe sinnliches Glühen, wenn balsamische Süße die Luft erfüllt, und die Früchte, Blumen und Bäume herrlich sind. Diese schwingenden, mit Blüten überfüllten Wälder nehmen abwechselnd alle Farbtöne an. Wie schwere Wolken verströmen sie ihre regnerischen Schauer über sich ständig wandelnden Blumen. Schau, die Bäume des Waldes, welche die Felsen und das ebene Land weit überragen. Wenn der kühle Wind ihre Zweige schüttelt, dann senden sie ihre taumelnden Blüten zur Erde. Sieh Lakshmana, wie die Brise mit jedem Blümchen in den Ästen spielt und sich in jeder fröhlichen Gestalt mit allen gefallenen Blüten und denen, die gerade hinabsinken, ergötzt. Schau Bruder, wo die lustigen Winde die fröhlichen Zweige der blühenden Bäume schütteln, da fühlt sich eine Schar laut summender Bienen in ihrer Arbeit gestört, die den Baum aufgesucht haben. Die Koils (der indische Kuckuck) laden die sich beugenden Bäume zum Tanz und sind ganz außer sich vor lieblichem Entzücken. Und der wilde Wind singt in seiner Ausgelassenheit, während er von den Bergeshöhlen herüber weht und in schnellem Lauf auf die Zweige überspringt. Der Wald wird unter seiner Kraft gebeugt, bis sich jeder Zweig und Ast in verworrenen Knoten verschlungen hat.

Welch linden Duft spenden diese Winde mit kühlem und heiligem Einfluß! Müdigkeit und Sorgen verschwinden - so magisch ist ihre sanfte Berührung. Horch, wenn die Brise durch Zweige von honigsüß duftenden Wäldern eilt, dann erklingen die zitternden Zweige laut vom Summen der Bienen. Die Hügel erheben ihre turmhohen Gipfel und verzaubern mit ihrer Schönheit das Auge. Sie schmücken sich mit Riesenbäumen, welche mit Blüten aus allen Höhen leuchten. Die Zweige sind mit in Trauben hängenden Blüten beladen, die lieblichen Winde schwenken sie zart, und die Bäume selbst singen mit den überrascht summenden Bienen um die Wette. Richte deine Augen auf jene Cassias dort drüben, deren prächtige Trauben glühen und leuchten. Diese Bäume zeigen sich in gelben Roben wie Hünen, die mit poliertem Gold eingehüllt sind. Weh mir, Sumitras Sohn, der Frühling, der den süßen Vögeln teuer ist, welche lieben und singen, erweckt in meiner einsamen Brust die Flamme der Sorge, während ich um meine Dame klage. Die Liebe durchbohrt mich mit feurigen Pfeilen und ruft vergebens das süße Begehren wach. Horch, die lauten Koils stimmen ihre Kehlen und necken mich mit freudigem Gesang. Ich höre den Ruf des glücklichen Wildhahns vom schattigen Wasserfall her tönen. Sein freudiger Ruf plagt meine Brust, welche von der Liebe einnehmender Macht beherrscht wird. Mein Liebling hörte eines Morgens in unserer Hütte diesen lauttönenden Vogel und rief mich glücklich herzu, damit auch ich dem frohen Ruf lauschte, der ihr Ohr verzauberte. Sieh, wie so viele Vögel mit verschiedensten Stimmen sich in den Wäldern um uns vergnügen. Sie lassen sich auf Schlingpflanzen und Büschen nieder oder schwingen sich flugs von Baum zu Baum. Jeder Vogel hat für sich einen freundlichen Partner gefunden, und laut schallt nun ihr triumphierendes Rufen, welches sich zu süßester Musik vermischt wie das ferne Trillern der Sperlinge. Sieh nur, wie die Uferlinie mit Vögeln aller Art und Farbe gesäumt ist. Hier singt der Koil voller Freude. Dort flattert der wilde Hahn mit seinen Flügeln. Die Blüte des strahlenden Asoka, der mit dem Lied der wilden Bienen die Luft erfüllt, und das sanfte Wispern seiner Zweige vermehren noch die Sehnsucht nach meiner Gemahlin.

Diese Frühlingsfülle von Blumen und Zweigen wird mir noch die Seele verbrennen. Welch Sinn, welch Interesse habe ich für das Leben übrig, wenn ich womöglich mein Weib nie wieder sehe? Die sanft Sprechende mit dem herrlichen Haar und den Augen mit den schönen, seidenen Wimpern. Es ist nun die Zeit, in der die Koils den ganzen Tag lang den Wald mit ihren Liedern erfüllen. Und die Gärten erblühen unter der sanften Berührung des Frühlings, den meine Geliebte so sehr mochte. Weh mir, Sumitras Sohn, das kummervolle Feuer, welches dem sanften Verlangen entspringt, wird, vom Zauber des Frühlings angefacht, mein Herz verbrennen und meine Qualen beenden. Meine traurigen Augen starren auf jeden schönen Baum, doch vielleicht erblicken sie meine süße Liebe nie wieder. Weh mir, weh mir, von Stunde zu Stunde nimmt die Liebe an Kraft in meiner Seele zu. Der Frühling, auf dessen Zauber ich schaue, könnte schon mit seinem Atem die hitzige Plage lindern. Doch die Gedanken an sie, für die ich meine hoffnungslosen Augen anstrenge, vermehren nur meinen Schmerz. Wie das Feuer im Sommer durch den dichten, mit trockenem Bambus bewachsenen Wald wütet, so wird meine Liebe mit den Augen eines Rehkälbchens meine von düsteren Gedanken überwältigte Seele verschlingen. Schau, unter jedem sich ausbreitenden Baum tanzen die Pfauen in rasender Lust. Wegen all der wehenden Winde wirbeln ihre Schanzfedern umher und glänzen mit juwelenbesetzten Augen. Jeder Vogel begeistert sich in glücklicher Liebe und freut sich an seiner geliebten Gefährtin. Doch Anblicke wie diese, von Frohsinn und Frieden, vergrößern nur die Schmerzen meiner hoffnungslosen Liebe. Sieh, wie an der Bergesflanke dort oben die Pfauen nach Liebe schmachten. Schau dir ihren Liebestanz an und wie sie sich dicht an die Seite ihres Gefährten drängen. Und er spreizt mit einem Aufschrei aus Freude und Stolz seine glitzernden Schwingen. Dann folgt er seiner Partnerin, die er so sehr liebt, durch das verschlungene Tal. Oh glücklicher Vogel, kein dämonischer Haß hat ihm seine Liebe gestohlen! Er tanzt fröhlich weiter unter den Schatten an der Seite seiner Liebsten. Ach, in diesem Monat, wenn die Blumen wunderschön sind, ist mein Kummer als einsamer Mann so schwer zu ertragen. Sanfte Liebe mag wohl nur in Wesen niederer Art ein Heim finden. Schau, wie die Henne auf von der Liebe beflügelten Füßen zu ihrem Gemahl eilt. Ach Lakshman, so würde auch Sita, meine großäugige Liebste, das Kind des Janak, wenn sie hier wäre, durch den prickelnden Einfluß der Liebe ihr Haupt an meine Brust lehnen. Diese Blüten, die ich von den Zweigen pflückte, sind ohne meine Liebste sinnlos. Tausende schöne Blumen kleiden mit vergänglicher Herrlichkeit jeden Baum ein und hängen in traubenschweren Dolden, nun, da die nebligen Monate vorüber sind. Doch verfolgt von den Bienen, die ihre duftende Arbeit ausführen, fallen sie und sterben. Tausende Vögel vereinen ihre stürmischen Stimmen in wilder Verzückung. Ein Vogel ruft den anderen mit froher Weise und schickt mein Herz in rasenden Schmerz.

Oh, wenn unter diesem fremden Himmel eine Quelle wäre, an der Sita läge, dann wüßte ich, daß meine gefangene Liebe von gleichem Kummer heimgesucht wäre und mit mir klagte. Doch ach, ich glaube, jenes trübsinnige Land kennt nicht das Anrührende der süßen Frühlingszeit. Wie kann meine schwarzäugige Liebe nur bestehen ohne ihren Herrn und in solch schrecklichem Schmerz? Oder wenn der süße Frühling sich ihr naht, ihr, der Gefangenen in einem fernen Land, wie könnte sich seine Ankunft mit der ihren treffen, wo überall nur Spott und Bedrohung sind? Weh, wenn die frühlingshafte Mattigkeit mit ähnlicher Verzauberung über meine Dame käme, dann würde meine sanft sprechende Liebste sterben. Denn mein Geist weiß wohl darum, daß sie niemals ohne mich leben könnte. Mit niemals schwankender Liebe ist meiner Sita Herz mir zugewandt. Und meine Seele könnte nie davon abweichen, ihre Liebe mit gleicher Liebe zu vergelten. Vergebens, vergebens tragen die sanften Winde süße Blüten auf ihren linden Schwingen, welche erfrischend aus dem heimischen Schnee stammen. Doch für mich glühen sie wie Feuer. Ach, wie ich eine Brise wie diese liebte, als mein Liebling Sita dies Glück mit mir teilte! Doch nun weht er für mich umsonst und facht nur die Raserei meines Kummers an. Dieser Vogel mit den dunklen Schwingen, der in den Himmel entstieg und dabei mit warnenden Schreien Qual voraussagte, sitzt nun auf einem Baum mit bunten Knospen und verströmt frohe Musik von den Zweigen. Dieser Wanderer der Lüfte wird meine Liebe mit freundlicher Sorge begleiten und mich mit barmherzigem Mitgefühl zu meiner großäugigen Videha Dame führen. Horch Lakshmana, wie die Wälder um uns mit liebreizenden Gesängen erklingen, und die Vögel in jedem blütenbekrönten Baum ihre verliebten Gesänge verströmen. Als ob ein eifriger Galan, von Liebe übermannt, um eine zarte Maid wirbt. Verzaubert von seinen Blüten zieht es die Bienen zum windgeschüttelten Tila Baum. Asoka, der prächtigste Baum, der wächst, verleiht dem Liebesschmerz neue Stiche und hängt seine traumhaften Blüten aus, meines Schmerzes nicht achtend und mich verspottend, während ich verloren trauere. Oh Lakshman, wende deine Augen und schau auf jeden blütenbeladenen Mango Baum, der sich wie ein junger Liebhaber fröhlich kleidet und dem zärtliches Verlangen die Ruhe verbietet. Sieh nur, Sohn der Königin Sumitra, durch die Waldeslichtungen mit den verschiedenen Farbtönungen strahlen die Blumen, und das Gras ist grün. Kinnaras(1) mit ihren Liebsten sind zu sehen. Sieh Bruder, sieh, wo die hübsch strahlenden, puterroten Lotusblüten den Blick verzaubern und über die Flut einen Glanz ausbreiten, der so schön wie die schimmernde Morgenröte ist. Schau, die göttlich anmutige Pampa, der geliebte Rückzugsort von Schwänen und Enten. Ihre frohen Wasser sind hell und klar. Die Lotusblüten erheben ihre Häupter über der Welle und verzaubern durch eine Mischung von roten und blauen Farbtönen. Jeder spiegelt sich wie die frühen Morgenstrahlen in kristallenem Glanz. Die Bienen drücken in ihrer lieblichen Emsigkeit die zarten Triebe nieder. Dort fliehen die Wälder in fröhliche Wiesen, und hier vergnügt sich Wildgeflügel unter dem Schilf. Der Hirsch steht am Ufer, und Elefanten kommen herabgestiegen, um ihre Rüssel einzutauchen. Die sich kräuselnden Wellen werden vom Wind gepeitscht und schlagen gegen die sich wiegenden Lilien. Die aufgeblühten Knospen, die Blumen und Stengel glitzern von den Tropfen, die an ihnen hängen.

Doch das Leben hat kein Vergnügen für mich übriggelassen, solange ich meine liebe Königin nicht sehe, die diese Blumen so sehr liebte, welche sich mit dem vollen Glanz ihrer Augen messen konnten. Oh Tyrann Liebe, der meine Brust nicht für eine Stunde die Verlorene vergessen lassen will, nach der ich mich verzweifelt sehne und deren Worte immer freundlich und lieb waren. Weh, vielleicht würde mein Herz diese hoffnungslose Liebe ertragen, welche keine Heilung kennt, wenn nicht der Frühling in unbarmherziger Kraft mich bestürmte mit all seinen blühenden Bäumen. Jede liebliche Szene, jeder Klang und jeder Anblick, an denen ich mit ihr Gefallen fand, hat seinen einst so süßen Zauber nun verloren und beschwichtigt mein verwitwetes Herz nicht mehr. Ich scheine auf Lotusblüten zu starren oder die blütenbedeckten Zweige des Palasa, doch in meiner gequälten Erinnerung erhebt sich die Herrlichkeit der Augen meines Lieblings. Kühle Brisen streifen durch den Wald, sammeln auf ihrem Weg Düfte ein und reichern sich mit dem Geruch von Lotusblumen und frischem Grün an. Ihre Berührung streift meine Schläfen und ruft Sitas duftenden Atem in mir wach. Doch schau, lieber Bruder, an der rechten Seite der Pampa erhebt sich ein hoher Berg, wo die schönsten Cassia Bäume ihre Schätze von glänzendem Gold ausbreiten. Die waldige Seite des stolzen Bergkönigs ist mit Myriaden von Erzen bedeckt und eingefärbt. Und wenn die windzerzausten Blüten fallen, verbreiten sie überall ihren wohlriechenden Blütenstaub. Wende deine Blicke zu dem fernen hohen Land mit seinen blitzenden, brennenden und überhängenden Feuern, denn die Palasa Blüten versprühen an laublosen Ästen ihre frühlingshafte Pracht. Oh Lakshman, schau! Welch wunderschöne Bäume recken sich am Ufer der Pampa in blühendem Stolz! Welch Hängepflanzen zeigen sich über ihnen oder lassen ihre Blumengirlanden tief herabhängen! Sieh, wie die verliebten Kletterpflanzen die vom Wind geschüttelten Bäume umwinden und sich an sie klammern. Als ob eine liebende Dame ihren Liebling umarmt. Trunken von den balsamischen Düften, welche die linden Lüfte von Hügel zu Hügel erfüllen, von Hain zu Hain und Baum zu Baum, wandert der frohe Wind frei umher. Diese bunten Bäume schwenken ihre von Blüten gebeugten und nach Honig duftenden Zweige. Dort öffnen sich langsam die Knospen mit dunklem Glanz dem Tag und schmücken die Äste. Die wilden Bienen ruhen sich eine Weile dort aus, wo die verführerischen Blumen süß und schön sind. Dann liegen sie pollenverfärbt tief in einer duftenden Blüte. Doch bald schon verlassen sie das Ruhelager und schwingen sich auf zu anderen Bäumen, um dort von honigsüßen Blumen zu kosten, die an den kristallklaren Wassern der Pampa wachsen. Sieh Lakshmana, sieh, wie dicht alles mit Blüten von den hohen Bäumen übersät ist. Das Gras wirbt um den müden Reisenden mit Ruhestätten in tausend Farben, und Lager jeder Höhe sind herausgeputzt und mit roten und gelben Tönen ausgelegt. Der Winter läßt die Erde nicht länger frösteln. Tausende Blümchen drängen ins Leben, und die Bäume legen im Wettstreit ihre Frühlingstracht an Knospen und Blüten an. Wie schön sie aussehen, wie hell und bunt mit Trauben von Blumen an jedem Zweig! Während jeder mit dem anderen sich in die stolze Aufgabe stürzt, singen die wilden Bienen ihr Lied, mit dem sie geboren wurden. Die Ente dort am Flußufer hat in Schilf und Binsen gebadet und spielt nun zärtlich mit ihrem Gefährten. Und während ich ihnen zusehe, brennt meine Brust. Die Pampa ist weithin berühmt. Es gibt wohl keine lieblichere Flut auf Erden. All ihre schönsten Reize findet man zusammen in diesem Ort, der den Geist verzaubert. Ach, wäre nur meine Liebste hier, um mit mir auf diesen liebreizenden Bach zu schauen. Niemals würde ich mich dann nach Ayodhya sehnen oder mir das Los Indras wünschen. Wenn ich an meines Lieblings Seite über den weichen Rasen streifte, der die Lichtung bedeckt, dann wäre jeder sehnsüchtige Gedanke süß gestillt und alles Sehnen meiner Seele erfüllt. Doch meine Liebe ist weit entfernt, und alle diese Bäume, welche die Wälder so bunt färben in ihrer vielfachen Schönheit, erwecken nur Qual in meiner Brust. Betrachte diesen mit Lotus bedeckten Strom, dessen Wasser so frisch und kalt rinnen. Der süße Bach, Zuflucht für die Wildenten, wo Brachvogel, Schwan und Taucher spielen. Wo der Erpel mit seiner Gemahlin schwimmt, und hochgewachsene Rehe es lieben, ihren Durst zu löschen, während von jeder bewaldeten Böschung die ausschweifenden Rufe der glücklichen Vögel tönen. Die Musik dieses fröhlichen Chores erfüllt meine Seele mit sanftem Begehren und, während ich lausche, fliegen meine traurigen Gedanken zu Sita mit den Lotusaugen. Die Liebliche mit den mondgleichen Wangen suchen meine eifrigen Blicke vergebens. Nun wende dich um und betrachte diese getupften Wiesen, wo Hirsch und Hirschkuh zusammen wandern. Ach, wie sie nach ihrem Willen umherstreunen, so füllen sie meine verstörte Brust mit Kummer, denn ich seufze um Sita mit den Augen eines Rehkitz, und hoffnungslose Liebe zerreißt mich.

Wenn in diesen, vom Frühling berührten Lichtungen die bunten Vögel ihre verliebten Liedchen singen, und ich dort meine eigene Geliebte erblickte, dann, Bruder, wäre mir wieder wohl zumute. Ach wenn sie doch an meiner Seite wanderte, und die kühle Brise, die den Bach aufwühlt, sanft die Stirn meiner lieben Videha Gemahlin berührte. Wie gesegnet sind diejenigen, Lakshmana, über die der Atem der Pampa streicht und alle Sorgen und Düsterkeit mit der Süße der blühenden Lilien vertreibt. Wie kann meine zarte Liebe am Leben bleiben unter all dem Kummer und der Qual, wenn sie, mein Liebling mit den Lotusaugen, weit entfernt im Gefängnis liegt? Wie kann ich es wagen, ihren Vater zu grüßen, dessen Lippen niemals Betrug gekannt haben? Wie vor dem kinderlosen König stehen und seinen gespannten Fragen begegnen? Als ich durch Beschluß meines Herrn verbannt wurde und in einen niederen Status fiel, da folgte sie mir so rein und jedem Gelübde treu. Wo ist mein zarter Liebling nun? Wie kann ich mein Los als Witwer ertragen und da verweilen, wo sie nicht ist? Wer folgte mir, als ich besorgt und enterbt von meinem Heim floh? Mein Geist versinkt in hoffnungslosem Schmerz, wenn meine zärtlichen Blicke vergebens nach diesem lieben Gesicht mit den strahlenden Augen verlangen, mit denen kaum der geschätzte Lotus wetteifern kann. Ach Bruder, wann werde ich wieder diese Stimme hören, die so weich und klar ist? Wann wird von ihren süßen Lippen wieder ein fröhliches Lachen erklingen, und wann werden sie lieblich lächelnd zu mir sprechen? Als ich mit Sita erschöpft von Mühe und Anstrengung durch die Waldesschatten streifte, da war keine Spur von Trauer in ihr zu sehen, meine freundliche und aufmerksame Trösterin. Wie soll meine zitternde Zunge Königin Kausalya Sitas Schicksal erklären? Wie antworten, wenn sie in wilder Verzweiflung fragt: 'Wo ist Sita, wo?'

Eile Bruder, eile schnell zu Bharata, auf dessen zärtliche Liebe ich immer noch vertraue. Mein Leben kann nicht länger ertragen werden, da Sita von meiner Seite gerissen wurde."

So klagte Rama wie ein hilflos Trauernder von Kummer gebeugt. Mit weisem Ratschlag suchte Lakshmana sein Leid zu lindern und antwortete: "Oh Bester der Männer, kämpfe gegen deine Trauer und versinke nicht unter der Last des Kummers. Die Großen, Reinen und Tapferen wie du verzagen nicht so, sondern halten durch. Denke über die Qual nach, die das Herz erdrückt, wenn liebende Seelen gezwungen sind, sich zu trennen. Und achtsam auf den kommenden Schmerz, halte deine Liebe in deinem Herzen zurück. Auch die Erde liegt versengt unter den mittäglichen Strahlen, obwohl wandernde Ströme sie kühlen. Ravana mag seine Schritte bis zur Hölle lenken oder in noch tieferem Fluge hinabsteigen, sei du dir sicher, oh Raghus Sohn, einem rächenden Tod wird er nicht entkommen. Erhebe dich Rama, erhebe dich. Beginne die Suche und spüre den durch Sünde verdorbenen Giganten auf. Dann soll der Unhold, wie weit er auch fliegt, auf seine Beute verzichten oder sicher sterben. Ja, auch wenn sich das zitternde Monster mit Sita in Ditis Nähe(2) versteckt, auch dort soll er sicher von dieser zornigen Hand hingestreckt sterben, es sei denn, er gibt den Preis auf. Stähle dein Herz mit Stärke und Mut und wirf diese schwächende Laune ab. Unsere schwindenden Hoffnungen leben vergebens wieder auf, wenn wir nicht mit festem Entschluß handeln. Der Eifer, der die Brust des sich Mühenden befeuert, ist die erste und beste unter den irdischen Kräften. Eifer trotzt jedem Hindernis und gewinnt sich letztendlich den höchsten Preis. In Leid und Gefahr, Mühe und Sorge ergibt sich Eifer niemals der schwachen Verzweiflung. So beginne mit eifrigem Herz deine Aufgabe, und du wirst dir deine Gemahlin wiedergewinnen. Wirf die fruchtlosen Sorgen von deiner Seele, und laß diese Liebe nicht dein Herz kontrollieren. Vergiß nicht all dein geheiligtes Wissen und sei wieder edel und du Selbst."

Die Brust von Kummer zerrissen hörte er den Ratschlag seines prinzlichen Bruders, zermalmte die unerträglichen Schmerzen in seiner Brust und erhob sich entschlossen mit neuer Kraft. Dann setzte der Held seine Reise mit festem Willen fort und löste seine Gedanken von den lieblichen Wassern der Pampa sowie den Bäumen, die von murmelnden Brisen erzitterten. Obwohl seine Blicke die dunklen Wälder streiften, auch die Wasserfälle, Höhlen und Täler, und obwohl er immer noch viele Sorgen fühlte, eilte der Sohn des Raghu doch weiter. Erhaben wie ein wilder Elefant, der stolz durch die Wälder streift, so schritt Lakshmana mit majestätischem Gang an der Seite seine Bruders aus. Er, der für seinen hohen Geist Berühmte, zeigte Raghus Sohn aufrichtig und ermahnend die Forderung der Pflicht und gebot seinem Herzen, tapfer zu sein.

Als solcherart die Brüder sich der Höhe des Rishyamuka geschwind näherten, war der Herrscher der Vanars (Sugriva) von ihrem Anblick beunruhigt. Er sah die Prinzen sich nahen, als er auf dem hohen Gipfel weilte. Und während er ihre prächtigen Gestalten beobachtete, versank er grübelnd in ruheloser Angst. Er hielt ein in seinem langsamen und majestätischen Schritt und starrte auf das Paar. Und erschreckt vergingen ihm die Sinne aus Angst, die zu groß war für ihn, sie zu ertragen. Während sich die Besten der königlichen Prinzen in ihrer herrlichen Macht näherten, waren die Vanars bereit, sich in wilder Unruhe abzuwenden und zu fliehen. Sie suchten die heilige Eremitenklause(3) auf, die Frieden und Glück geweiht war und wo sie gerne weilten, und gewannen sich dort ihr sicheres Asyl.


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(1) halbgöttliche, musische Wesen, die Kuvera dienen und einen menschlichen Körper und einen Pferdekopf haben
(2) eine Tochter Dakshas, eine der Ehefrauen Kasyapas, die Mutter der Titanen/Daityas
(3) Die Einsiedelei des Matanga, zu der Bali, Sugrivas Bruder, wegen eines Fluches keinen Zutritt hatte.