Pushpak Ramayana Buch 3Zurück WeiterNews

Canto 72 - Kabandhas Geschichte

"Herr mit dem mächtigen Arm, einst trug ich eine die Gedanken übersteigende Gestalt und war in der dreifachen Welt für Macht und Heldenmut berühmt. Kaum konnten Sonne und Mond hoch droben oder selbst Shakra mit meiner strahlenden Schönheit wetteifern. Doch für kurze Zeit nahm ich eine dämonische Gestalt an, um die Welt zu erschüttern. Die Heiligen, die im Walde lebten, fühlten den Terror meiner Präsenz. Einmal erzürnte ich den großen Sthulasna, den glorreichen Weisen, als er im Wald seine Einsiedlernahrung sammelte und meine gräßliche Gestalt mit Schrecken erblickte. Da brachen aus ihm die Worte des Zorns, die mich zu einem verfluchten Wesen machten: 'Du, dessen Freude der Schmerz anderer ist, sollst in dieser furchtbaren Gestalt weiter leben.' Als ich ihn bat, nachzugeben und eine feste Zeit für meine Strafe zu setzen, ihn anflehte, daß der Fluch irgendwann enden möge, da erlaubte er mir folgende Erlösung: 'Laß Rama deine Arme abtrennen und deinen Körper auf den Scheiterhaufen legen. Dann sollst du, vom Fluch befreit, deine eigene schöne Form wieder annehmen.' Oh Lakshman, höre meine Worte, sieh in mir den weltberühmten Danu.

Aber diese jetzige Gestalt, die alle fürchten, trage ich durch Indras Fluch, im Kampf von ihm besiegt. Denn durch lange und strengste Askese gewann ich als Dämon die Gunst des mächtigen Vaters. Als der Gott mir ein langes Leben gewährte, da glühte in meinem Busen törichter Stolz auf. Ich glaubte mein langes Leben vor Indras Macht sicher. Durch meinen sinnlosen Stolz verführt, forderte ich ihn zum Gefecht. Er entließ einen flammenden Blitz mit vielen Knoten von seinem außerordentlichen Arm, und geradewegs wurden mein Kopf und die Oberschenkel zusammengedrückt und in meiner massigen Brust versenkt. Jedem Flehen und mitleidigem Bitten gegenüber taub sandte er mich nicht in die Halle von Yama. Er sagte: 'Diese Gebete und Bitten sind vergebens. Des Vaters Wort muß wahr bleiben.' Doch wie sollte ich meine langen Jahre verbringen, nachdem mich sein Blitz zerrissen hatte? 'Wie kann ich unernährt leben' rief ich, 'mit zerschmettertem Gesicht, ohne Oberschenkel und Kopf?' Als ich so sprach, seine Gunst zu erflehen, da gab er mir Arme von einem Yoyana Länge (etwa drei Meilen). Dann eröffnete er mir in der Brust einen Mund mit schrecklichen Zähnen. So benutzte ich meine riesigen Arme, um sie um die Tiere des Waldes zu schlingen, wenn sie vorüberzogen, und ernährte mich von Löwen, Tigern, Leoparden und Hirschen hier im Wald. Und Indra erneuerte die Worte, um meine Trauer zu besänftigen: 'Wenn Rama und sein prinzlicher Bruder von deinem riesigen Leib die Arme abtrennen, dann soll der Himmel deine Seele wieder empfangen.'

In diese grausige Gestalt gehüllt ließ ich kein Tier des Waldes entkommen, und immer war mein verlangendes Herz erfreut, wenn meine Arme ein Opfer fingen. Denn, so dachte ich zärtlich über diese Arme, irgendwann würden sie Rama selbst einfangen. So hoffte ich, mühte mich manche Tage und sehnte mich danach, mein Leben fortzuwerfen. Und hier, mein Herr, stehst du nun. Gesegnet seist du, denn niemand außer dir konnte mir die Arme mit scharfem Streich abtrennen. Wahr sind die Worte, die der Eremit sprach. Nun laß mich dir raten, Bester der Krieger, und dir bei deinen Plänen behilflich sein. Ich werde dir mit einem Rat helfen, wenn du meinen Leichnam im Feuer verbrennst."

Als solcherart der mächtige Danu sprach und seine freundliche Hilfe anbot, antwortete der tugendhafte Rama, während Lakshmana noch mit ängstlichem Auge starrte: "Lakshman und ich verließen den Wald von Janasthan für eine Weile. Als niemand in der Nähe war, kam Ravana und trug meine herrliche Dame fort. Die Gestalt und Größe des Giganten kenne ich nicht, nur seinen Namen weiß ich. Wir wissen auch nichts über seine Kräfte und seine Macht, oder wo der monströse Feind wohnt. Ohne einen Führer wandern unsere hilflosen Füße voller Sorgen herum. Laß Mitleid dich dazu bewegen, unsere Dienste beim Begräbnisritual zu vergelten. Unsere Hände sollen die trockenen Äste bringen, welche die Elefanten abgerissen haben und die nun am Boden liegen. Dann graben wir eine Grube und entzünden das Feuer, um dich zu verbrennen, wie es die Tradition verlangt. Als Lohn dafür erkläre uns, wer meine Gemahlin stahl und wo er lebt, wenn du kannst. Ich bitte dich, sag es uns und laß es diese Gnade sein, die unseren Dienst bezahlt." Danu hatte aufmerksam zugehört, als Rama sprach, und erwiderte gewandt: "Meine Seele ist nicht mit Himmlischem angefüllt. Ich weiß nichts von deiner Maithili Gefährtin. Doch ich will, wenn ich meine Gestalt wieder trage, dir den offenbaren, der alles erklären kann. Dann, Rama, werden meine Lippen dir den Namen verraten, der den Giganten sehr wohl kennt. Doch bis die Flammen meinen Körper verzehrt haben, verspotten meine Kräfte dieses versteckte Wissen. Denn durch die vernichtende Verderbtheit des Fluches ist mein Wissen klein und schwach. Unbekannt ist mir sogar der Name des Giganten, der die Maithili Dame davontrug. Verflucht für meine üblen Taten trug ich diese Gestalt, die alle verabscheuen. Nun, bevor mit müden Rossen die Sonne ihren Kurs durch den westlichen Himmel genommen hat, legt meinen Körper in eine tiefe Grube und verbrennt ihn auf die gewünschte Weise. Wenn mein Leichnam im Grab liegt, und mit Feuer und allen Begräbnisriten geehrt ist, dann, großer Prinz, werde ich dir den Namen nennen von ihm, der den dämonischen Räuber gut kennt. Mit ihm, der sein Leben wohl führt, verbinde dich im Bund vertrauender Liebe. Und er, oh mutiger Prinz, wird dir ein treuer Freund und eine Hilfe sein. Denn, Rama, enthüllt liegt die dreifache Welt vor seinen suchenden Augen, da aus altem und dunklem Grunde, so glaube ich, seine Wege schon immer durch alle Sphären liefen."


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