Pushpak Ramayana Buch 3Zurück WeiterNews

Canto 54 - Lanka

Er trug sie davon in schnellem Fluge, und kein Freund war in Sicht. Doch auf einem Hügel, der seinen hohen Gipfel über dem Wald erhob, standen fünf Affen. Sie zog von ihrem schönen Hals einen Schal, und hinab fiel die glitzernde Hülle zusammen mit Ohrringen, Halskettchen, Ketten und Juwelen. Sie dachte: "Diese sollen meinen Weg anzeigen und meinem Herrn erzählen, welchen Pfad ich nahm." Der wild aufgeregte Unhold bemerkte nicht, als sie von Hals, Arm und Fuß die Edelsteine und das Gold abzog, und jedes glänzende Ornament zur Erde sandte. Die Affen erhoben ihre braunen Augen, die sich in erster Überraschung nicht schlossen, und erblickten die dunkeläugige Dame, wie sie über ihnen in der Luft schrie. Hoch über ihren Köpfen flog der Gigant und hielt die weinende Dame fest. Er eilte über die funkelnde Flut der Pampa und flog nach Lanka. In sinnloser Freude trug er die Beute davon, die sein Leben zerstören sollte. Er war wie ein törichter Narr, der unter seiner Kleidung eine Schlange mit giftigen Zähnen an sich drückt. Er raste so schnell wie ein Pfeil über die Länder, die unter ihnen lagen, und nahm seinen gewaltigen Kurs in der Luft über Wälder und Felsen, Seen und Bäche. Zuletzt überquerte er das laute Meer, wo monströse Wesen frei leben, dem Sitz von Gott Varunas alter Herrschaft, dem Beherrscher des ewigen Wassers. Die ärgerlichen Wellen hoben sich und warfen sich hin und her, als Ravana mit der Dame vorüberflog. Selbst Fisch und Schlange zeigten in wilder Unruhe ihre blitzenden Flossen und die schimmernden Hauben. Da kamen von den gesegneten Scharen, die in der Luft lebten, himmlische Stimmen herab: "Oh zehnköpfiger König," riefen sie, "achte dies: Diese schuldige Tat wird dein Ende bringen." Doch Ravana stürmte wie der Orkan voran und trug seinen Tod in menschlicher Gestalt mit sich, die sich wehrende Sita. Er landete im königlichen Lanka, der herrlichen, hellen und reichen Stadt, die wohlgeordnete Straßen hatte und edle Alleen, in rechter Verteilung angeordnet, mit vielen schönen Plätzen und Höfen. Am Ende seiner Reise erreichte er nun sein königliches Heim und brachte die schwarzäugige Dame mit der zierlichen Taille in einem königlichen Gemach unter. So zeigte damals Maya seiner lieblichen Dämonenbraut ihre Kammer. Dann erteilte Ravana seine Befehle den fürchterlichen Dämoninnen, welche die Hallen füllten: "Bewacht diese gefangene Dame und beschützt sie vor den Blicken der Männer und Frauen. Doch alles, was die Schöne sonst noch wünscht, bekommt sie, als ob ich es befähle. Haltet keine Perlen oder Kleider, Edelsteine oder Gold vor ihr zurück. Und diejenige unter euch, die es mit Absicht oder auch aus Sorge wagen sollte, ein Wort zu sprechen, welches die Seele der Dame unleidig findet, wirft damit ihr unwürdiges Leben fort."

So sprach der Monarch zu den Dämoninnen, die sein Heim bevölkerten. Dann verließ er das Gemach, um über alles Weitere nachzudenken. Er sah acht Giganten, stark und angsteinflößend, die sich vom Fleisch ihrer Opfer ernährten und, stolz auf die Gabe Brahmas, auf ihre Kräfte vertrauten. Der mächtige König von herrlicher Kraft und großer Stärke sprach sie an: "Bewaffnet euch, Krieger, mit Speer und Bogen und verlaßt schnellstens Lanka. Geht nach Janasthan, welches nun nicht mehr unser sondern mit Dämonenblut besudelt ist. Der Thron von Kharas königlichem Staat ist verlassen und trostlos. Vertraut auf eure tapferen Herzen und eure Stärke und werft alle unedlen Ängste ab. Geht und lebt in dieser wüsten Gegend, wo die furchtbaren Giganten fochten und fielen. Die ganze glorreiche Armee, welche an Macht und Kraft unerreicht war, vom mutigen Khara und Dushan angeführt, blutete und fiel durch Ramas Pfeile. Immer noch regiert grenzenloser und unkontrollierter Zorn meine Seele, und nichts außer Ramas Tod kann die Raserei meines rächenden Hasses befriedigen. Ich werde meine schlummernden Augen nicht schließen, bis mein Feind durch diese Hand stirbt. Und wenn mein Arm den Feind erschlagen hat und diese dämonischen Prinzen tötete, dann werde ich lange triumphieren und von der Tat zehren, wie einer der das Höchste erreicht hat. Nun geht, damit ich dieses Ende gewinnen möge, und bleibt in Janasthan, ihr Krieger. Beobachtet Rama mit den eifrigsten Augen und spioniert alle seine Taten und Bewegungen aus. Geht fort und weist keine helfende Kunst zurück, seid mutig, schnell und umsichtig. Laßt es euer einziges Bestreben sein, meinem Arm zu helfen, diesen Feind zu töten. Oft habe ich eure kriegerische Macht gesehen, die sich bewährt hat in der vordersten Front der Schlacht, und eurer Stärke sicher, die ich so gut kenne, sende ich euch nach Janasthan."

Die Giganten hörten mit unverzüglicher Zustimmung die angenehmen Worte, die er sprach. Ein jeder beugte vor seinem Meister das Haupt, ihn entsprechend zu grüßen. Dann durchschritten sie ohne Verzögerung die Tore Lankas, wie er sie gebeten hatte, und eilten unsichtbar und schnell davon.


Zurück Inhaltsverzeichnis Weiter