Pushpak Ramayana Buch 3Zurück WeiterNews

Canto 30 - Kharas Tod

Nachdem Rama, der Stolz der Raghufamilie und der liebe Sohn der Tugend, die Keule zerschmettert hatte, sprach der Beste der Prinzen mit siegreichem Lächeln zum rasenden Unhold: "Du schlimmstes Dämonenblut hast das Äußerste deiner Stärke gezeigt und wurdest durch größere Macht gezwungen, dich zu beugen. Deine prahlerischen Drohungen sind nun unnütz. Meine Pfeile haben deine Keule zerschnitten. Dort liegt sie nutzlos auf dem Feld. Und mit ihr wurden all dein Stolz und dein hochmütiges Vertrauen dem staubigen Erdboden gleichgemacht. Die Worte, die du eben sprachst, daß du die Tränen all derer von mir erschlagenen Giganten abwischen wolltest, sollen sich durch meine Taten als leer und vergebens erweisen, du Gemeinster der Gigantenbrut, böse in Gedanken, Worten und Taten. Meine Hand soll dein Leben nehmen, wie Garuda den göttlichen Saft (das Amrit aus der Obhut Indras) an sich nahm. Du sollst von Pfeilen zerrissen noch heute sterben. Flach auf dem Boden soll dein Körper liegen, und schäumendes Blut aus deinem zerspalteten Hals soll deine Haut bedecken. Mit Staub und Schlamm verschmiert sollen deine abgerissenen Arme an deiner Seite liegen, während Ströme von Blut jedes Körperglied einweichen werden. Du sollst an der Erde Brust deinen Schlaf finden, wie es einen zärtlich Liebenden zu der Schönheit zieht, die er dann auch gewinnt. Nun, wenn sich deine schweren Augenlider für immer in tiefer Ruhe schließen, soll der Dandaka Wald wieder ein sicherer Zufluchtsort für die Anhänger sein. Du erschlagen und deine ganze Rasse vertrieben, die das Reich Janasthan unterhielt - so können die glücklichen Einsiedler wieder durch den Wald wandern und müssen keine Gefahr fürchten. Innerhalb dieser Grenzen sollen heute keine Dämonen mehr übrigbleiben und alle ihre Brüder erschlagen sein. Sie sollen mit viel eigenen Tränen und Angst die Heiligen von ihrer Furcht befreien. Dieser bittere Tag soll Elend über alle diejenigen bringen, welche dich König nennen. Deine Damen, so schrecklich wie ihr Herr, sollen aller Freuden beraubt den Geschmack des Leidens kennenlernen. Niederer, grausamer Schuft von bösem Geist, du Plage der Brahmanen und der Menschheit, wegen dir nährt jeder Anhänger mit furchtsam zitternder Hand das heilige Feuer."

Mit unverhohlenem wilden Zorn sprach so der tapfere Sohn des Raghu zum Dämonen. Und Khara, dessen Wut nicht minder klein war, donnerte seine schreckliche Erwiderung wie folgt: "Von Gefahr umgeben und durch sinnlosen Stolz zum Wahnsinn verführt fürchtest du nichts, noch achtest du, vom Tode gezeichnet, auf das, was du sagen oder ungesagt lassen solltest. Wenn des Schicksals gewaltige Schlinge den Gefangenen in unwiderstehlichem Griff hält, dann unterscheidet er nicht mehr zwischen Richtig und Falsch, denn jeder Sinn ist gelähmt vom tödlichen Einfluß." Er sprach und starrte mit seinen finsteren Augenbrauen unverwandt auf Raghus Sohn. Dann schaute er sich eifrig um, ob tödliche Waffen zu finden wären. Nicht weit entfernt bot sich dem Blick ein turmhoher Salbaum, der in den Himmel wuchs. Die Lippen in großer Anstrengung zusammengepreßt riß er ihn aus mit Wurzeln und Krone. Mit seinen riesigen Armen schwenkte er ihn über seinem Kopf und schleuderte ihn mit dem Schrei: "Du bist tot!". Der unübertroffene Rama aber stoppte den Baum mit seinen Pfeilen noch im Flug, und seine Seele ward von dem brennenden Wunsch erfüllt, den Giganten in den Staub zu schicken. Große Schweißtropfen perlten ihm von jedem Glied, und seine roten Augen zeigten seinen zornigen Zustand. Tausend schnell abgeschossene Pfeile zerrissen die Brust des Giganten. Aus jeder Wunde in seinem Körper schossen schäumende Ströme von Blut, wie schnelle Flüsse aus ihren Höhlen quellen und die steilen Berge hinabspringen. Doch als Khara die tödlichen Schläge unter diesem mörderischen Pfeilehagel spürte, ging er auf Rama los, rasend von dem Geruch des Blutes und verwirrt vor Zorn. Rama beobachtete mit gezücktem Bogen den Angriff des blutenden Feindes, und bevor das Monster ihn erreichte, wich er eilig ein paar Schritte zurück. Dann zog er von seiner Seite einen Pfeil, dessen tödlichen Schlag kein Leben ertragen mochte: Von unvergleichlicher Macht trug er den Namen von Brahmas Gefolge und glühte wie eine Flamme. Lord Indra selbst, der Herrscher im Himmel, hatte als glorreichen Preis den Pfeil gegeben, den der tugendhafte Held nun auflegte. Der Pfeil flog zischend und brüllend wie Sturmgeheul durch die Luft, und landete, durch Ramas Energie befördert, mit seiner scharfen Spitze in der Brust des Feindes. Da fiel der Unhold; die unstillbare Flamme brannte rasend in seinem verwundeten Körper. So fiel Andhak, von Rudra verbrannt, in das silbrige Tal Svetaranya. So starben Namuchi und Vritra durch dampfende Blitze, die ihren Stolz zähmten. Und so fiel Bala durch einen Blitz, den Indra sandte.

Und alle dicht versammelten Götter und jene Strahlenden, die singen und spielen, priesen Rama mit Freudenhymnen, von Entzücken und Staunen erfüllt. Sie schlugen ihre göttlichen Trommeln und streuten Mengen von Blumen auf sein Haupt. Denn drei kurze Stunden waren gerade verflogen, da hatte er mit seinen spitzen Pfeilen zweimal siebentausend Dämonen besiegt. Die Dämonen, die ihre Gestalt nach ihrem Willen verändern konnten, waren tot. Auch Trishiras und Dushan und Khara, die Anführer des Heeres. "Oh wunderbare Tat", so begannen die himmlischen Barden. "Die edelste Tat eines tugendhaften Mannes! Heroische Kraft stand ganz allein und fest, als ob sie Vishnu eigen wäre." Nachdem dies gesungen war, kehrte der strahlende Zug in seine himmlischen Sphären zurück. Dann kamen die hohen Heiligen von königlicher Abstammung und höchstem Status und suchten den Ort auf. Vom großen Agastya angeführt sprachen sie ehrfürchtig zu Rama: "Deswegen suchte Lord Indra, der glorreiche Herr, so majestätisch strahlend wie das Feuer, der im Zorn ganze Städte vernichtet, Sarabhangas Einsiedelei auf. Du wurdest von den Heiligen zu diesem Schatten geführt, damit du dem großen Plan helfen mögest und mit deinem mächtigen Arm die sich an Bösem erfreuenden Giganten tötest. Du, Dasarathas edler Sohn, hast für unser Wohl die Schlacht gewonnen. Und die Heiligen, die im Dandaka Walde leben, können ihre Tage wieder geheiligten Aufgaben widmen."

Von der Bergshöhle kam der Held Lakshmana mit der Dame und Entzücken strahlte von seinem Gesicht, als er die Einsiedelei erreichte. Nachdem die mächtigen Heiligen die verdiente Ehre für die Hilfe des Siegers gezollt hatten, zog sich der glorreiche Rama unter der Verehrung von Lakshmana in seine Hütte zurück. Als Sita ihren Herrn anblickte, der die Feinde geschlagen und die Heiligen wiederhergestellt hatte, da umklammerte sie ihn in liebender Umarmung mit überschwenglicher Freude und Stolz. Ihre Blicke fielen auf die toten Dämonen, und dann sah sie ihren Herrn lebend und wohl, siegreich nach Mühe und Schmerz, und Janaks Kind ward erneut gesegnet. Wieder und wieder schlang sie ihre zärtlichen Arme mit neuem Entzücken um Rama, dessen siegreiche Kraft die Dämonenarmee geschlagen hatte. Und als jeder Heilige mit hoher Seele seine dankbare Verehrung bezeugt hatte, da stahl sich über Sitas liebliches Gesicht eine freudige Röte, und alle Ängste waren verflogen.


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