Pushpak Ramayana Buch 2Zurück WeiterNews

Canto 111 - Rat an Bharata

So sprach Vasishta und fuhr, an Rama gewandt, fort mit der pflichtgetreuen Weise: "Alle Menschen, die das Licht der Welt mit hohem Respekt betrachten, sollten auf drei Dinge achten: Vater, Mutter und heiligem Führer sollte niemals hohe Ehre verweigert werden. Zuerst schulden sie ihrem Vater die Geburt, dann wachsen sie mit mütterlicher Liebe heran, und die heiligen Führer lehren sie rechtes Wissen. Darum sollten die Menschen jeden von ihnen lieben und ehren. Dein Vater und du haben von mir gelernt, der heilige Lehrer von euch beiden bin ich. Wenn du meinem Wort gehorchen willst, dann wirst du immer auf dem Pfad der Tugend bleiben. Sieh nur, mit den Oberen einer jeden Gilde und mit allen deinen Freunden ist dieser Platz hier gefüllt. Beschütze alle, wie es die Pflicht gebietet, und respektiere den gerechten Weg. Und fühle für deine alte Mutter, verneine nicht die Bitte der tugendhaften Dame. Gehorche deiner lieben Mutter, oh Prinz, und halte am tugendhaften Pfad fest. Halte dich an Bharatas liebevollen Vorschlag, den er mit ernstester Verehrung aussprach. Dann wirst du dir selbst treu sein und der Redlichkeit und Tugend dienen."

So vom heiligen Lehrer angesprochen und mit Bitten der liebevollstem Art überschüttet, antwortete der Herr der Menschen dem weisen Vasishta: "Die Aufmerksamkeit des liebsten Sohnes kann niemals die Sorge von Vater und Mutter ausgleichen, die stetige Liebe, welche die Nahrung bereitstellt, und Kleidung und alles Nötige, ihre angenehmen Worte, immer sanft und gütig, und die Pflege des hilflosen Kindes: Die Worte, die Dasaratha sprach, mein König und Vater, werde ich niemals brechen."

Dann sprach Bharata mit der breiten Brust zum weisen Sumantra: "Bring heiliges Gras, oh Wagenlenker, und streu es hier auf dem ebenen Boden aus. Denn ich will sitzen und sein Gesicht ansehen, bis ich meines Bruders Gunst gewonnen habe. Wie ein ausgeraubter Brahmane will ich vor Ramas Laubhütte liegen, weder Nahrung kosten noch meine Augen wenden, und solange er bleibt, ihn nicht verlassen." Als Bharata sah, wie Sumantras Auge sich wegen einer Antwort auf Rama richtete, eilte der Prinz selbst in eifriger Hast und legte das Gras ordentlich aus. Da sprach Rama, der Beste der königlichen Heiligen, zum großen und mächtigen Bruder: "Was, Bharata, habe ich getan, daß du mich solcherart wie ein Zufluchtsuchender belagerst? Diese hingestreckte Lage zur zwingenden Wiedergutmachung von Fehlern gebührt Männern von brahmanischer Geburt. Und frommt nicht jenen, über deren königliches Haupt die Weihetropfen ausgeschüttet werden. Auf, Herr der Menschen! Erhebe dich und höre auf mit diesem furchtbaren Schwur, der nicht zu dir paßt. Geh Bruder, suche die schöne und höchst berühmte Stadt Ayodhya auf."

Doch Bharata schaute sich hinsetzend entschlossen um: "Oh Leute, vereint eure Gebete mit den meinen, so daß wir sein hartnäckiges Herz neigen mögen." Doch die Menschen antworteten ihm: "Wir kennen Rama voll und ganz. Das Wort ist richtig, das er spricht, und er ist seines Vaters Befehl treu. Wir können es nicht wagen, ihn mit Gewalt von seinem beschlossenen Eid abzuhalten." Und Rama fügte hinzu: "Oh Bharat, höre auf deine tugendhaften Freunde und achte ihre Rede. Merke darauf, was ich und sie dir raten und schau auf die Pflicht mit klareren Augen. Lege deine Hand in meine, oh Held, berühre Wasser und lösche deine Sünde aus."

Da erhob sich Bharata, tauchte seine Hand ein und trank reinigendes Wasser: "Jeder Bürger," rief er, "möge hören. Jeder Berater und Adlige achte dies: Meine Mutter plante ohne meinen Rat, die Herrschaft zu gewinnen, die ich nie suchte. Niemals könnte ich Rama verschmähen, der in den Traditionen der Pflicht höchst weise ist. Da nun Gehorsam zu unserem Vater diesen Aufenthalt in den Wäldern nötig macht, werde ich die vorbestimmten Jahre allein in der Verbannung leben." Verwundert hörte der tugendhafte Rama die treue Rede des Bharata, und seinen Gefühlen gab er den rechten Ausdruck, während er sich umschaute: "Ich halte weiter am Wort meines Vaters fest. Was auch immer er erwarb, versprach oder veräußerte, nie soll sein lebendiges Versprechen von Bharata oder mir annulliert werden. Meiner Aufgabe werde ich nicht ausweichen, indem ich mein Exil auf einen anderen übertrage. Königin Kaikeyis Rede war höchst weise, und meines Vaters Tat gerecht und gut. Die geduldige Seele von Bharata kenne ich und wie demütig er seine Liebe zeigt. In ihm, dem Hochbeseelten und Treuen, muß jede besondere Gunst im Überfluß vorhanden sein. Wenn ich aus den Wäldern heimkehre, werde ich mit seiner Hilfe höchst edel regieren. Mit jemand so Gutem und von so unvergleichlicher Würde an seiner Seite, ist man ein glorreicher Herr auf glücklicher Erde. Ihren Wunsch begehrte Kaikeyi und bekam ihn gewährt. Ich schwor, wie mein Vater es tat. Und du, mein lieber Bruder, reinige den Namen des Monarchen von Falschheit."


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