Pushpak Ramayana Buch 2Zurück WeiterNews

Canto 91 - Bharadvajas Festmahl

Als er sah, daß des Prinzen Geist geneigt war, diesen Tag hier zu auszuruhen, da suchte er Kaikeyis Sohn mit gastfreundlichen Liebenswürdigkeiten zu erfreuen. Und Bharata erwiderte dem Heiligen: "Unsere Wünsche sind mehr als erfüllt. Du gabst uns bereits die Gabe, die geehrte Fremde grüßt. Mit freundlicher Aufmerksamkeit sorgtest du für Wasser für unsere müden Füße und gabst uns all die verschiedenen Früchte des Waldes." Wieder sprach Bharadvaja, und ein Lächeln spielte dabei um seine Lippen: "Ich weiß, lieber Prinz, dein freundlicher Geist wird jede Frucht als genügend ansehen. Aber ich würde gerne dein ganzes bewaffnetes Gefolge mit einem Bankett bewirten. Dies ist mein aufrechter Wunsch; erlaube du mir, dieses Sehnen meines Herzens zu erfüllen. Warum lenktest du deine Schritte allein hierher und ließest deine Truppen hinter dir? Warum unbegleitet? Konntest du nicht diesen Ort mit deinen Freunden und deiner Armee aufsuchen?" Bharata erhob seine gefalteten Hände und antwortete: "Meine Truppen brachte ich nicht zu deiner Einsiedelei, oh Weiser, aus Ehrfurcht vor dir. Das Heer eines Königs oder Monarchensohnes sollte immer das Heim eines Eremiten meiden. Mir folgt ein mächtiger Zug, der sich weit über das Land erstreckt und in dem jeder Heeresführer über Männer, Elefanten und feurige Pferde gebietet. Ich fürchte, verehrter Weiser, daß diese großen Schaden an diesem heiligen Grund und den Bäumen anrichten werden. Die Quellen könnten verderben und die Hüttchen umfallen. Deshalb kam ich mit den Priestern allein hierher."

"Bring deine ganze Armee!" rief der Einsiedler und Bharata willigte zu seiner Freude ein. Dann ging der Asket zur Kapelle, wo das heilige Feuer brannte, und reinigte mit Schlückchen von Wasser zuerst seine Lippen, wie es die Regel gebietet. Dann betete er zu Visvakarma, sein gastliches Festmahl zu unterstützen: "Laß Visvakarma meinen Ruf erhören, der Gott, der alles formt und gestaltet: Ich gebe ein großes Bankett. Gib dafür alles, was ich benötige. Mit Lord Indra an der Spitze, rufe ich die Drei, die die Welten beschützen (Yama, Varuna und Kuvera), zu mir: Ich bewirte heute eine mächtige Armee, gewährt mir alles Nötige. Laßt alle Ströme, die ostwärts fließen, und alle Wasser, die den Westen bewässern, sowohl auf Erden als auch im Himmel, hierher fließen und meine Wünsche erfüllen. Einige sollen mit heißen Flüssigkeiten gefüllt sein, andere mit Weinen aus Blumen destilliert, und wieder andere sollen mit ihren frischen, kühlen Strömen Süßes enthalten, wie den Saft von Zuckerrohr. Ich rufe die Götter und die Schar der himmlischen Sänger, die sie umgeben: Ich rufe die Haha und Huhu, die liebliche Visvasa. Ich rufe die himmlischen Gemahlinnen und all die strahlenden Apsaras, Alambusha von seltenster Schönheit, den Zauber des gelockten Haares, die schönen Ghritachi und Visvachi, Hema und Bhima, die lieblich Anzusehenden, und die reizende Nagadanta auch, und all die süßen Nymphen, die Indra oder Brahma nahestehen. Ich rufe sie alle mit ihrem Gefolge und Tumburu, den Zug anzuführen. Möge sich hier Kuveras Garten entfalten, der fern im nördlichen Kuru liegt: Laßt Stoffe und Edelsteine sich aus Blättern winden, und laßt ihre Früchte göttliche Nymphen werden. Laßt Soma (den Mond) der mächtigen Menge die edelste Nahrung geben. Von allem etwas, für Zähne und Lippen, zum Kauen, Schlecken, Saugen und Nippen. Laßt Kränze der schönsten Blumen von den blühenden Bäumen ringsum wallen. Jede Sorte Wein, die dem Gaumen schmeichelt, und alle Arten von Fleisch soll es geben."

So sprach der Einsiedler, voll konzentriert, mit dem rechten Ton und wie es die Regeln gebieten, in tiefste Meditation versunken und über die heilige Kraft herrschend. Dann starrte er mit ehrfürchtig erhobenen Händen und in Gedanken versunken gen Osten. Und die Gottheiten, die er solcherart angerufen hatte, manifestierten sich alle. Köstliche Winde, die den Körper kühlten, erhoben sich von Malaya und Dardar. Sie küßten diese duftenden Hügel und verteilten besonderen Duft, wo sie bliesen. Dann fielen in süßen Schauern unsterbliche Blumen vom Himmel, und die Luft ward von himmlischen Trommeln durchklungen. Eine sanfte, göttliche Brise erhob sich, und die funkelnden Apsaras tanzten vor den Sängern und Göttern her, während klingende Lauten die Seele entzückten. Die Musik erfüllte Himmel und Erde, klang prickelnd und sanft durch jedes Ohr und rieselte von den himmlischen Sphären herab mit rechtem Maß in Melodie und Rhythmus.

Sobald die Gandharvas mit Spielen aufhörten, starben die göttlichen Lieder. Und die Truppen des Bharata erblickten erstaunt auf das, was Visvakarmas Kunst erzeugt hatte. Zu allen Seiten lag über viele Meilen hinweg der Boden gerade und sanft, mit frischem, grünem Gras bedeckt, welches wie Saphire mit Lapislazuli vermischt zauberhaft anzusehen war. Der Waldapfel beugte seine Krone, Mangos und Zitronen leuchteten, Bel und duftender Jak standen da, und Amla mit schönen Früchten. Vom nördlichen Kuru hergebracht stand dort ein reicher, entzückender Wald mit vielen Strömen, die an blühenden Bäumen entlang glitten. Es erhoben sich Häuser mit vier weiten Hallen, und Elefanten- und Pferdeställe, viele herrschaftliche Gebäude mit triumphalen und fahnengeschmückten Toren und edlen Türen reckten sich in den Himmel. Wie eine blasse Wolke stand da ein hoher Palast mit reichen und seltenen Düften überschüttet und weißen Blumenkränzen umwunden. Seine Form war quadratisch und die Hallen weit, mit vielen Sitzen und Sesseln ausgestattet. Man fand alle Arten von Getränken und Fleisch, gerade wie die himmlischen Götter speisen mochten. Auf Bitten des Eremiten näherte sich der starkarmige Sohn Kaikeyis und trat in die schöne Wohnung ein, die von den edelsten Juwelen erstrahlte. Mit Vasishta an der Spitze folgten die Berater in rechter Folge und staunten entzückt und verwundert das wunderbare Gebäude an. Bharata näherte sich mit Prinzen und Edelleuten dem königlichen Thron, neben dem ein Wedel (chouri) im Schatten eines weißen Baldachins lag. Vor dem Thron verbeugte er sich demütig und ehrte zuerst den Rama, dann nahm er den Wedel in die Hand und setzte sich auf den Platz eines Beraters. Seine Minister und Priester nahmen je nach Rang und Stellung Platz, und dann kam der oberste Heerführer und die von ihm am meisten geehrten Männer.

Es gab der Weise seinen Befehl, und alle Flüsse wälzten mit verzauberter Welle Milch und süßen Quark vor Bharatas Füße. Zu ihren Ufern erhoben sich hübsche Wohnungen, die mit prächtigem, weißem Pflaster verschönert waren und deren himmlische Dächer die Gaben des Brahmanen Bharadvaja trugen. Dann sandte Lord Kuvera geradewegs zwanzigtausend göttliche Nymphen mit prächtigen, himmlischen Ornamenten geschmückt und strahlend in ihrer glänzenden Kleidung und den Juwelen. Der Mann, der nur einen flüchtigen Blick auf diese Schönheiten warf, fühlte im selben Moment seine Seele entrückt. Mit ihnen erschienen aus Nandans glückseligen Schatten zwanzigtausend himmlische Mägde. Tumburu, Narad, Gopa und Sutanu kamen wie strahlende Flammen. Die Könige der Gandharva Schar entzückten Bharata mit ihrem Lied. Dann sprach der Heilige, und eilig gehorchte Alambusha, die schönste Magd, und Misrakesi strahlend schön, und Ramana, Pundarika auch. Sie alle tanzten für ihn in anmutiger Leichtigkeit die Tänze der Apsaras. Alle Blüten, welche die Götter tragen oder die Wälder von Chaitraratha (Garten von Kuvera) zieren, erblühten auf Befehl des Heiligen auf den Zweigen in Prayagas Schatten. Als auf Geheiß des Weisen eine sanfte Brise in den Vilva- Bäumen Musik machte, da woben auch die Zweige der Myrobolanbäume im Takt der Musik hin und her. Und heilige Feigenbäume sahen wie Tänzer aus, als ihre Blätter sich schüttelten. Die schönen Tamala, Palmen und Pinien zeigten mit ihren überragenden Stämmen und sich windenden Ästen die sich lieblich ändernde Gestalt von herrschaftlichen Damen oder sich verbeugenden Mägden. Hier tranken Männer aus schäumenden Weinbechern, dort gab es Milch im Überfluß und köstliches Fleisch von jeder Art, wohl zubereitet für jeden Geschmack. Wunderschöne Damen, sieben oder acht, standen jedem Mann zur Seite, ihm aufzuwarten. Neben den Strömen entkleideten sie der Männer Glieder und tauchten sie in das kühlende Wasser. Dann rubbelten die Schönen mit den funkelnden Augen ihre Glieder wieder trocken, und die Männer saßen am Ufer und hielten trinkend ihre Weinbecher.

Die Stallburschen vergaßen nicht, die Kamele, Maultiere, Ochsen und Pferde zu füttern, denn auch für sie gab es Berge von geröstetem Korn, Honig und Zuckerrohr. Schnell verbreitete sich wilde Aufregung unter den Kriegern, die Bharata anführte, so daß bald in der ganzen Armee der Bursche seine Pferde nicht mehr erkannte. Und die Treiber suchten und riefen vergebens ihre Elefanten. Befeuert von jeglicher Freude und Verzückung waren die Herzen von allem Gewünschtem übervoll, und die Myriaden des Heeres feierten ausgelassen und im Freudentaumel durch die Nacht. Von den Damen an ihrer Seite berückt, riefen die Kämpfer in wildem Vergnügen: "Niemals kehren wir nach Ayodhya zurück, nein, auch in den Dandaka Wald gehen wir nicht. Wir bleiben hier! Möge ein glückliches Schicksal Rama und Bharata erwarten." So schrie die Armee ausgelassen und fröhlich, und der grenzenlose Jubel ergriff die Infanterie und auch die, welche auf Elefanten oder Pferden ritten. Zehntausend Stimmen riefen: "Dies ist der Himmel mit perfekter Glückseligkeit!" Mit Blumenkränzen bedeckt schweiften sie müßig herum, und tanzten und lachten, sangen und spielten.

Schließlich ward jeder Soldat mit Nahrung wie Amrit gesättigt, von köstlichen Kuchen und verführerischem Fleisch, so daß niemand mehr essen wollte. So empfingen Soldaten, Diener, Damen und Sklaven alles, was sie sich nur wünschen konnten. Jeder war in neue Kleidung gehüllt und erfreute sich des Festmahles, was ihm gegeben war. Einen jeden sah man in weißen Kleidern ohne jeden Fleck oder Schlammspritzer, niemand war durstig oder hungrig, und keiner hatte Staub im Haar. Zu allen Seiten fand man in den Tälern köstliche Milch in blubbernden Quellen, und es gab Kühe, die für allen Nachschub sorgten, und Honig tropfte von den Zweigen der Bäume. Überall waren Teiche mit Getränken aus Blumen gemacht, und an deren Rand häuften sich Berge von Fleisch: gekocht, geschmort, gebraten, von Pfau und Dschungelgeflügel und Hirsch. Es gab das Fleisch von Kitz und Eber und delikate Soßen in endloser Zahl, mit dem Saft von Blüten wohl abgeschmeckt und Suppen, die Geruch und Geschmack verzauberten, auch zerstampfte Früchte mit bitterem Geschmack. Viele Badeplätze waren vorbereitet an den Flußufern. Da standen große Becken mit allem versehen, fein ausgelegt von blendendem Glanz, weiße Bürsten für die Zähne und viele Behälter mit Sandelpuder für die Haut. Es gab funkelnde Spiegel, Berge von neuer Kleidung und einen reichen Vorrat an Sandalen und Schuhen. Jeder konnte wählen zwischen Augensalben und Kämmen für Haare und Bart, schönen Sonnenschirmen und Schleifen.

Es glänzten Teiche, die bei der Verdauung halfen oder zu einem angenehmen Bade einluden, mit klarem Wasser und sanftem Gefälle für Kamele, Pferde, Maultiere und Vieh. Und überall war Gerste hoch aufgetürmt, um die zahllosen Tiere zu versorgen. Das goldene Korn glänzte hell und strahlend wie Saphire oder Lapislazuli. Für die ganze versammelte Armee schien es, als ob sie die magische Szene nur träumten, und während sie schauten, erhöhten noch verschiedene Wunder das herrliche Fest des Bharadvaja.

So verbrachten sie die Nacht in der Einsiedelei des Eremiten in Freude und Ausgelassenheit, gesegnet wie die Götter, die es sich unter den Schatten von Nandans Bäumen wohl ergehen lassen. Dann baten die Sänger um ihren Abschied und kehrten in ihre glückseligen Wohnungen zurück, und jeder Strom und jede himmlische Dame verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren.


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