Pushpak Ramayana Buch 2Zurück WeiterNews

Canto 2 - Des Volkes Rede

Und es verbeugte sich der Monarch vor der ganzen Versammlung und sprach zur Menge in wohlwollenden Worten und mit lauter Stimme, die wie himmlische Trommeln oder Donnerschlag erklang:

"Es ist nicht nötig, daß ich euch erkläre, wie durch all die Zeiten meine Vorfahren vom Geschlecht des Ikshvaku mit väterlicher Sorge dieses Land regierten, welches nun mein ist. Auch ich habe meine Füße gelehrt, den Pfad der mächtigen Ahnen zu beschreiten und bewahrte mein Volk mit unermüdlicher und liebevoller Sorge, so gut ich es vermochte. Und plage mich immer noch für das Wohl und das Glück meiner Leute und lasse niemals nach unter dem Schatten des weißen Schirmes (Zeichen der kaiserlichen Würde). Doch nun ist das Alter gekommen, und die Stärke schwindet. Tausende Jahre sind über mich hinweggeflossen; ich sah viele Generationen um mich wachsen und vergehen. Nun sehne ich mich nach Ruhe und Linderung für die schwindenden Kräfte. Schwach und matt wie ich bin, kann ich es kaum noch wagen, die Mühen des Regenten und die Sorgen des Richters mit königlicher Würde zu tragen, eine Last, welche sogar die Jungen und Enthaltsamen auf die Probe stellt.

Ich sehne mich nach Ruhe, denn meine Arbeit ist getan. Wenn mein Rat den hier versammelten Zweifachgeborenen gut und weise erscheint, dann soll mein Sohn auf meinen Platz gesetzt werden. Denn größere Gaben als die meinen schmücken meinen Sohn Rama, den Ältestgeborenen. Er ist mutig wie Indra, vor ihm fallen die Städte der Feinde, ihre Wälle und Türme. Er ist der Prinz der Männer in Kraft und Macht, der beste Erhalter von Recht und schön wie der Mond, seine Herrlichkeit kann nichts vermindern, so nahe ist er den Pushya Sternen. Ihm möchte ich gerne mit dem morgigen Licht den Thron übergeben als Mitregent. Ich denke, er ist ein würdiger Herr für euch, denn ihn bezeichnete die Königin des Glücks als ihr Eigentum. Selbst die dreifachen Welten würden von einem solchen König, wie er es ist, gut regiert werden. Ich möchte das Land einer hohen Glückseligkeit und einem freundlichem Schicksal widmen. Mein trauriges Herz wird aufhören, sich zu bekümmern, wenn mein Sohn den kostbaren Preis erhält. Dann ist mein sorgfältiger Plan gereift, und mir selbst ist Ruhe sicher. Ihr Lehnsherren, billigt meine Worte oder zeigt mir einen weiseren Weg. Bedenkt eure umsichtige Antwort. Mein Geist ist liebevoll an diesen Gedanken gebunden, doch durch eifrige Debatte können wir einen Mittelweg finden, mit dem alle einverstanden sind."

Der Monarch verstummte. Als Antwort kam hohes Lob von den erfreuten Fürsten, so wie die Pfauen vereint den Regen begrüßen und mit erhobenen Stimmen die Wolken besingen. Jubel der Freude erhob sich von den Tausenden und ließ den Palast klangvoll erzittern. Als sodann die versammelte Menge den Willen des Königs vernommen hatte, welcher Recht und Gewinn bedachte, schlossen sich Bauern und Städter, Priester und Adlige in kurzer Beratung zusammen und gaben schon bald in voller Übereinstimmung ihrem Souverän folgende Antwort:

"König des Landes, wir wissen um dein Alter. Tausende Jahre sind über dich gekommen, und nun bitten wir dich, salbe deinen Sohn Rama. Und weise ihm, unserem prächtigen Prinzen, seinen Platz an deiner Seite zu. So tapfer und stark wie er ist, werden unsere Augen mit frohem Stolz sehen, wie er in königlichem Ornat vom Schatten (des königlichen Schirms) behütet wird, der auch dich beschützt."

Erneut sprach da der König, um ihren wahren Herzenswunsch genau zu erfahren: "Diese Gebete für Ramas Regentschaft erregen eine Frage in meiner zweifelnden Brust. Erklärt mir die Wahrheit, ich bitte euch: Warum wollt ihr, während ich gerecht regiere, daß er, mein ältester Sohn, seinen Anteil tragen und die Herrschaft mit mir teilen soll?" Und alles Volk gab ihm Antwort, Bauer und Stadtgeborener, hoch und niedrig: "Wir finden jedwede edle Gabe an Gestalt und Geist in deinem Sohn, oh Monarch. Höre du die göttergleichen Tugenden, mit welchen Rama unsere Herzen gewann. So reich gesegnet mit Herrlichkeit ist er, daß niemand auf Erden deinen Sohn überragen kann. Wer mag schon von sich behaupten, er könne sich in Wahrheit, Gerechtigkeit und Ruhm mit ihm messen? Getreu seinen Gelübden, sanft und freundlich, ohne Neid, von dankbarem Geiste, versiert in den Gesetzen und mit standhafter Seele hält er alle Sinne unter fester Kontrolle. Mit pflichtgetreuer Sorgfalt liebt er es, bei Brahmanen zu sitzen, die erfahren in den heiligen Gesetzen sind. Seine Jugend wird von strahlendstem Glanz, der niemals endet, und von unvergleichlichem Ruhm begleitet. Er ist wohlgeübt im Gebrauch von Speer und Schild, seine Waffen gleichen an Macht denen der himmlischen Krieger, und er ist überlegen in der Schlacht; unbesiegt von Mensch, Dämon oder Gott im Kampfe. Wenn er auszieht zum großen Krieg gegen die Städte des Feindes, dann kommt er mit Lakshmana immer siegreich von der heftigen Attacke zurück. Und wenn er dann aus der Ferne zurückkehrt, auf seinem Elefanten reitend oder im Streitwagen, dann verbeugt er sich immer vor uns Landsleuten und grüßt uns wie liebe Freunde, fragt nach dem Gedeih des Sohnes oder nach dem Diener, wie es dem Schüler ergeht, dem Opferdienst oder der Gattin. Und wie ein Vater bittet er einen jeden von uns zu erzählen, ob alles in Ordnung sei. Wenn es zu Schmerz oder Trauer in der Stadt kommt, dann fühlt sein Herz sofort mit uns. Und wenn unsere Gedanken mit Feiern beschäftigt sind, dann teilt er wie ein Vater unsere Freude. Ein hohes Schicksal, oh König, gab dir den Rama, der geboren ward, um zu segnen und zu beschützen, mit allen seinen kindlichen Tugenden, so schön und mild wie bei Kasyapa, des alten Marichis Kind.

(ausführlicher bei Dutt: Er spricht immer die Wahrheit und ist ein großer Bogenschütze. Er ist den Älteren behilflich und hat seine Sinne unter Kontrolle. Seine Worte schmückt immer ein Lächeln, und er ist mit ganzer Seele in Gerechtigkeit gegründet. Er bringt in allen das Gute hervor, und gibt sich niemals Streitereien hin. Seine Rede ist gewandt und meisterhaft. Seine Augenbrauen sind anmutig, seine Augen weit und kupferrot, und er gleicht Vishnu selbst. Wie Kama, der Liebesgott, verzaubert er die Wesen aufgrund seines Heldentums, seiner Macht und Stärke. Immer beschützt er das Volk, und das Verlangen nach den angenehmen Dingen des Lebens kann seinen Geist nicht verwirren. Er kann sogar die Last der drei Welten tragen, sie könnte man da an seiner irdischen Herrschaft zweifeln? Weder sein Vergnügen noch sein Ärger sind wirkungslos. Er schlägt jene, welche es verdienen, doch niemals erzürnt er über diejenigen, die keiner Strafe würdig sind. Ist er mit jemandem zufrieden, beschenkt er ihn reich. Aufgrund seiner Selbstbeherrschung und all seiner anderen Qualitäten ist er den Menschen lieb und erfreut sie alle. Dadurch strahlt er mit dem Glanz der Sonne in aller Pracht. Weil ihn all diese vorzüglichen Eigenschaften krönen und er so wahrhaft wie ein Lokapala ist, wünscht ihn sich die Erde zum Herrscher. Welch gutes Schicksal ließ deinen Rama solch prächtige Fähigkeiten entwickeln. Und welch glückliches Schicksal gab dir einen so guten Sohn, wie Kasyapa es dem Maricha war.)

Bis zu des Reiches fernen Grenzen ertönt ein gemeinsam Gebet. Jeder Mensch in Stadt und Land betet für Ramas Stärke, Gesundheit und sein langes Leben. Mit aufrichtigem Herzen ist dies der Wunsch von allen - dem zarten Mädchen, der alternden Dame, dem Untertan und Fremden, dem Bauern und dem Arbeiter. Sie alle bewegen einen Gedanken nur im Geiste, am Abend und in der Morgendämmerung beten sie für Rama zu allen Göttern. Zeige du, oh König, uns deine Gunst, erhöre den sehnenden Ruf deines Volkes, und laß uns den lotusfarbenen Rama auf dem Throne sehen. Oh du, der du Wünsche erfüllst, beachte uns und leih uns dein geneigtes Ohr, oh Monarch. Stimme unseren ernsten Gebeten zu, und setze für unser Wohl den gottgleichen Rama als Mitregenten ein, der für alle nur das Gute sucht."



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