Pushpak Ramayana Buch 1Zurück WeiterNews

Canto 55 - Die Einsiedelei verbrennt

Durch Vishvamitras Pfeile überwältigt lag die Armee erneut über das Feld verstreut. Alsdann ermahnte Vasishta die Kuh: 'Erschaffe nun mit all deiner Energie.' Und wie sie sich verbeugte, entsprangen ihr Kambojas mit Gesichtern, so glänzend wie die Sonne. Aus ihrem Euter ergossen sich Barbaren, Soldaten, die Speer und Schwert schwangen. Und Yavans mit Köchern und Pfeilen und Sakas entstanden aus ihren hinteren Teilen. Jede Pore ihrer Haut und jede haartragende Zelle wimmelte von Mlechchhas und Kiratas, mit denen Haritas in den Kampf strömten. Daraufhin fiel die ganze mächtige Armee des Vishvamitra mit Wagen, Elefanten, Fußsoldaten und Pferden in einem kurzen Moment und ward völlig überwältigt von dieser gewaltigen Menge. Die hundert Söhne des Monarchen, deren Augen in rasender Überraschung den Untergang erkannten, stürmten nun grimmig gegen den heiligen Vasishta an. Aber er erhob nur einmal seine Stimme zum Schrei und warf nur einen Blick, und sie alle vergingen. Vom Asketen zu Asche verbrannt ward ein jeder mitsamt Pferden, Fußvolk und Streitwagen.

Der König klagte voll Schande und Schmerz. Seine Armee war verloren, seine Kinder tot. Wie der Ozean, dessen Brüllen versiegt, oder wie die große Schlange, deren Fänge zerbrochen sind, oder wie die Sonne bei einer schnellen Finsternis das Schicksal der Dunkelheit nicht meiden kann, oder wie ein armer Vogel, dessen Schwingen verstümmelt sind - so, seiner Söhne und seines Gefolges beraubt und nicht weiter durch Ehrgeiz angefeuert, inspirierte kein kriegerischer Stolz mehr die Brust des Königs. Er übergab sein Königreich dem letzten, noch verbliebenen seiner Söhne und bat ihn, zu regieren wie es Königen gelehrt wird. Dann suchte er geradewegs eine Einsiedelei im Wald auf und floh weit weg an des Himalaya Flanken, wo sich Gandharvas und Nagas treffen. Dort widmete er sein Leben der strengsten Askese, um das Wohlwollen von Mahadeva (Shiva) zu erlangen.

Eine lange Zeit war verstrichen, als Shiva darselbst erschien, der höchste und freigiebigste Herr, dessen Banner den Stier zeigt: 'Warum mühst du dich so leidenschaftlich durch all die Pein? Was bringt dich her? Welche Gabe suchst du dir zu gewinnen? Sprich mir von deinem Herzenswunsch, oh Monarch, denn ich gewähre den Segen, den Sterbliche suchen.' Der König zeigte seine Verehrung und gab Antwort: 'Wenn du geruhst, mich deiner Gunst für würdig zu erachten, oh du Sündenloser, dann gewähre mir, mächtiger Gott, die wunderbare Wissenschaft vom Bogenschießen, vollständig in allen Einzelheiten und mit geheimen Zaubern und mystischen Künsten. Es sollen mir alle Waffen enthüllt werden, die Götter, Weise und Titanen tragen, und alle Pfeile, welche die Hände von Geistern, Unholden und Gandharvas bewaffnen. Gib mir dieses Zeichen deines unendlichen Wohlwollens, oh Höchster der Götter.'

Der Herr der Götter gab seine Zustimmung und kehrte in seine himmlische Wohnstatt zurück. Mit stolzgeschwellter Brust genoß der Monarch seinen Triumph. So schwillt der Ozean, wenn über seiner Brust die Strahlen des Vollmonds scheinen. In seinem Geist sah er schon Vasishta besiegt zu seinen Füßen. Er suchte die Einsiedelei des Asketen auf und schoß seine gräßlichen Waffen in die Luft. Mit einer Kraft, der keiner widerstehen konnte, ward die Einsiedelei in Asche gelegt. Wo immer die Bewohner entgeistert der Waffe, die Vishvamitra warf, entgegensahen, flohen sie zu Hunderten voller Panik in alle Richtungen auseinander. Vasishtas Schüler ergriff die Angst, und jeder Vogel und alle Hirsche flüchteten in wilder Verzweiflung nach Osten, Westen, Süden und Norden. So ward Vasishtas heiliger Zufluchtsort im Nu zu einer öden und stillen Wildnis, denn kein Geräusch störte das Schweigen ringsumher. Vasishta selbst rief ärgerlich: 'Fürchtet euch nicht, Freunde, lauft doch nicht weg. Dieser Sohn des Gadhi stirbt heute noch, wie Rauhreif in der Morgensonne.' Und weiter sprach der glorreiche Weise zum Monarchen mit zornigen Worten: 'Weil du meinen Hain zerstört hast, der so lange in heiliger Ruhe gedieh, und weil dich Narrheit zu diesem sinnlosen Verbrechen verleitet hat, sollst du vor deiner Zeit sterben.'


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