Pushpak Ramayana Buch 1Zurück WeiterNews

Canto 19 - Die Geburt der Prinzen

Sechs Jahreszeiten flogen schnell dahin, nachdem das glorreiche Opfer seinen Abschluß gefunden hatte. Elf Monate waren vergangen, es war der neunte Tag von Chaitras Wiederkehr (ca. Ende März und Anfang April). Der Mond schien in dem Haus, auf welches Aditi freundlich schaut. Fünf strahlende Planeten standen in ihrem höchstem Punkt und erschienen mit dem Mond zusammen im Sternbild des Krebses, dazu gab Vrihaspati (der Herr des Jupiter) sein göttliches Licht. Dies war die Zeit, als Kausalya ein gesegnetes Kind zur Welt brachte. Es war der mit himmlischen Zeichen geschmückte Rama, der Herr des Universums, der von allen Welten angebetete Prinz. Kausalya gewann sich damit neuen Ruhm, der sich in ihrem prächtigen Sohn widerspiegelte. So sehr strahlte auch Aditi, als sie, die Mutter der Götter, den König der Unsterblichen, die Donner beherrschende Gottheit (Indra), gebar. Der lotusäugige, wunderschöne Junge kam ins Leben, um Ravana zu zerstören. Mit der Hälfte von Vishnus Energie gesegnet, war es sein Schicksal, den verzweifelten Welten zu helfen.

Auch Königin Kaikeyi gebar ein Kind von wahrhaftiger Tapferkeit, genannt Bharata. Er trug ein Viertel von Vishnus Manifestation in sich und ward mit allen prinzlichen Tugenden gesegnet. Sumitra schenkte einem edlen Zwillingspaar das Leben, Lakshmana und Shatrughna. Sie waren aufopfernd und ehrlich, und auch sie trugen ihren Anteil an Vishnus Essenz in sich. Bharata ward unter Pushya im Zeichen der Fische geboren und von gütiger Seele. Als Königin Sumitras Jungen geboren wurden, hatte die Sonne das Zeichen des Krebses am Morgen erreicht und der Mond war dabei, sich des Nächtens mit der Schlange zu treffen. Zu unterschiedlichen Zeiten gebaren die königlichen Gemahlinnen die glorreichen Vier, so tugendhaft wie der Monarch selbst und so strahlend wie das vierfache Licht der Konstellation des Proshthapadá.

Da tanzte die Schar der himmlischen Nymphen, und die göttlichen Musiker erhoben ihre Instrumente und ließen die himmlischen Trommeln lang und laut dröhnen, während es Blumen vom Himmel regnete. Im munteren und ausgelassenen Ayodhya wurde ein fröhliches Fest gefeiert. Der weitläufige Platz und die breite Straße waren mit Schauspielern und Tänzern überfüllt, und Lieder erklang überall dort, wo Musiker und Sänger sich trafen. Alles strahlte in blendendem Glanze von Gold und Juwelen, wie ein Wunder war es anzuschauen. Der König selbst sparte nicht mit reichlichem Lohn für die Sänger, Spieler und Mimen. Und die Brahmanen führten viel Reichtum und tausende Kühe heim.

Sobald jeder Säugling 12 Tage zählte, war es an der Zeit, die Namensgebung zu vollziehen. Es war Vasishtas große Freude, für jeden Jungen einen Namen zu bestimmen: Rama (Entzücken der Welt) für den hochbeseelten Thronerben, Bharata (der Beschützer) für den Sohn Kaikeyis, Lakshmana (der Vielversprechende) und Shatrughna (Bezwinger der Feinde) für die beiden schönen Söhne von Königin Sumitra. Rama war die größte Freude seines Vaters. Er ermunterte dessen Sinn wie ein stolzes Banner und wirkte auf alle Wesen wie die selbstexistente Gottheit. Nun, alle in den Schriften gelehrten Helden trugen eine große Liebe zu den Menschen in sich. Sie alle hatten einen großen Schatz an Weisheit und waren mit prinzlicher Anmut gesegnet. Aber unter all diesen Jünglingen von hoher Abstammung schien Rama in herrlich überragendem Licht. Er strahlte wie der unverhüllte Vollmond, der Welten liebstes Vorbild. Er konnte am besten die Elefanten führen, den schnellen Wagen lenken und auf dem Streitroß reiten. Er war ein Meister des Bogenschießens und immer freudig bereit, seines Vaters Wünschen zu folgen. Der Welten Freude und Liebling war er und seinem Bruder Lakshmana von Kindheit an besonders zugetan. Und Lakshmana, dieser Meister des hohen Vertrauens, liebte es, seinem älteren Bruder zu folgen und ihm aufzuwarten. Er strebte immerzu danach, sein zweites Selbst mit lieben Freundschaftsdiensten zufriedenzustellen. Seine Glieder ruhte der Held niemals aus, bevor nicht Rama sich zur Ruhe gelegt hatte. Wenn der geliebte Rama sein Mahl nicht mit ihm teilte, würde Lakshmana nicht einmal kosten. Wenn Rama, der Stolz der Raghu-Linie, auf sein Pferd sprang, um auf die Jagd zu gehen, dann folgte ihm Lakshmana nach und beschützte ihn mit seinem verläßlichen Bogen.

Und wie Rama dem Lakshmana mehr als sein Leben lieb war, so stellte auch Shatrughna sein ganzes Leben unter die Liebe zu Bharata. Diese berühmten Helden von edler Art waren alle in wechselseitiger Liebe vereint und erfreuten ihres Vaters Herz auf das Höchste mit ihrem bescheidenen Anstand und ihrer Kampfeskraft. Von diesen hervorragenden Vier umgeben strahlte König Dasaratha mehr und mehr wie ein Gott, der mit all seinen Begleitern das Land und die Himmel bewahrt und als Vater aller Wesen vor die Augen der Menschen auf Erden tritt.



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